Exkretion und Harntrakt
Exkretion bezeichnet Abgabe körpereigener Stoffwechselprodukte und körperfremder Stoffe aus dem Körper an die Umwelt. Ein Teil dieser Produkte wird von der Niere aus dem Blut gefiltert und über den Urin abgegeben.
Anatomie des Harntraktes
Der Harntrakt des Kaninchen besteht aus zwei bohnenförmige Nieren, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre. Die Nieren sind in eine dicke Fettschicht eingebettet und von der Größe sehr variabel. Ihre Funktionseinheiten sind die Nephrone. Diese setzen sich aus dem Glomerulus mit der Bowmanschen Kapsel, dem proximalen Konvolut, der Henleschen Schleife sowie dem distalen Konvolut zusammen und münden schließlich zu mehreren gemeinsam in einer Sammelrohrstrecke. Der Harnleiter hat einen Durchmesser von 1 - 2 mm. Die Harnblase ist birnenförmig mit einer sehr dünnen Wand. Die Harnröhre ist bei Weibchen ca. 1,5 cm lang, strohhalmweit und mündet in den Sinus urogenitalis. Bei Männchen ist die männliche Harnröhre sehr eng und unterteilt sich in die kurze Pars prostatica, die lange Pars membranacea und die Pars cavernosa und endet in der Penisspitze.
In der Niere wird durch Ultrafiltration wird eine große Menge extrazellulärer Flüssigkeit in den Glomeruli separiert. Diese Flüssigkeit nennt man den Primärharn, welcher durch weitere Resorptions- und Sekretionsprozesse modifiziert und schließlich als Endharn ausgeschieden wird.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Säugetieren sind die Nieren des Kaninchens unipapillär (Spennemann 2002). Die Anzahl der Glomeruli nimmt nach der Geburt noch zu und kann sich stark ändern. (Spennemann 2002)
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| Abbildung 1. Niere des Kaninchens. Die Niere ist etwa 3,5 cm lang, 2 cm dick und 1 cm breit. Die Größe der Niere ist aber je nach Rasse sehr variabel |
Physiologie des Harntraktes
Kaninchen weisen eine Besonderheit im Kalziumstoffwechsel auf. Die Kalziumaufnahme wird nicht über den Darm reguliert, mit Steigender Kalziumkonzentration steigt daher auch die Menge an resorbiertem Kalzium. Überschüssiges Kalzium wird dabei über die Niere ausgeschieden. Der Organismus versucht, den Kalziumspiegel konstant zu halten. Bei einer erhöhten Kalziumaufnahme kommt es daher auch zu einer Kalziumerhöhung im Harn. Eine zusätzliche Stimulation der Wasseraufnahme erfolgt dabei nicht.
Im Gegensatz zu anderen Säugetieren fehlt bei Kaninchen das Enzym Carboanhydrase. (Spennemann 2002) Bei anderen Tieren ist es entscheidend für die Säure-Base-Regulation in der Niere. Dadurch entsteht ein effektives Puffersystem, was den Kaninchen fehlt. Daher sind Kaninchen besonders anfällig für ketoazidotische Stoffwechselentgleisungen wie Beispielsweise Fettleber (Ewringmann 2005).
Der Harn eines Kaninchens auch bei klinischer Unauffälligkeit kann verschiedene Farbtöne besitzen. So kann der Harn gelblich oder bräunlich, aber auch rötlich sein. Meistens handelt es sich dabei um Porphyrine, seltener auch um Bilirubin bzw. Urobilinogen. Solche Farbstoffe können mit dem normalen Futter (z.B. Löwenzahn) aufgenommen werden und färben den Urin rötlich. Echtes Blut im Urin erkennt man i.d.R. an kleinen roten Tropfen oder Schlieren (Ewringmann 2005).
Ein gesundes, ausgewachsenes Kaninchen hat bedingt durch den besonderen Kalziumstoffwechsel einen leicht trüben Harn (physiologische Kristallurie). Klarer Harn ist ein Hinweis auf Kalziummangel, entweder durch chronisches Nierenversagen oder Unterversorgung. Auch andere Erkrankungen wie Beispielsweise Erkrankungen des Magen-Darmtrakt können zu klarem Harn führen (Spennemann 2002).
Bei Jungtieren kann der Harn noch klar sein, da sehr viel Kalzium für das Knochenwachstum benötigt ist (Kamphues 1989). Auch bei anderen Tieren mit erhöhten Kalziumbedarf, wie trächtige oder laktierende Weibchen kann recht klarer Harn vorkommen (Ewringmann 2005).
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| Abbildung 2. Urinfarben. Unterschiedliche Urinfarben kommen auch bei Wildkaninchen vor. Von gelbich bis rötlich finden sich viele Abstufungen. |
Quellen
Ewringmann, A.; Leitsymptome beim Kaninchen: diagnostischer Leitfaden und Therapie; Stuttgart, Enke, 2005; 284 S; (Konkret-Kleintier-Praxisbuch); ISBN 3-8304-1020-4
Kamphues, J. (1989): Ca-Stoffwechsel bei Kaninchen - Bedeutung für die Kleintierpraxis; 35. Jahrestagung Fachgruppe Kleintierkrankheiten der DVG, 314-321
Niebergall, A.: Sonographische Befunderhebung am männlichen und weiblichen Harntrakt und am weiblichen Geschlechtsapparat von Zwergkaninchen und Meerschweinchen, Diss. Tierärztliche Hochschule Hannover 2003
Rappold, S.:Vergleichende Untersuchungen zur Urolithiasis bei Kaninchen und Meerschweinchen, Diss. Tierärztliche Hochschule Hannover 2001
Spennemann B. (2002): Harnuntersuchung beim Heimtierkaninchen; Berlin 2002, Journal-Nr.: 2661