Gemüse


Gemüse kann dazu dienen, das Angebot an Frischfutter zu erhöhen. Es enthält viel Wasser, oft allerdings weniger wichte Inhaltsstoffe wie Mineralien, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe als Kräuter bzw. seine eigentlichen Urform. Auch Zusammensetzung der Rohfaser und damit die Verdaulichkeit kann abweichen.

Als Gemüse bzw. menschliches Nahrungsmittel werden oft nur bestimmte Teile von Pflanzen verwendet. So lassen sich Gemüse in verschiedene Gruppen unterteilen, welche jeweils unterschiedlich als Futtermittel für Kaninchen geeignet sind.


Eine Auswahl an geeigneten Sorten ist hier zu finden: Gemüseliste


Kapitel

Gemüsegruppen

Gemüse vs. frische Wiese - Ist Gemüse eine Alternative?


Gemüsegruppen

Wurzel- und Knollengemüse

Wurzelgemüse sind nährstoffreiche Speicherwurzeln von Pflanzen. Bei Knollengemüse dient nicht die Wurzel, sondern andere Pflanzenteile als Speicherorgan. In der Regel ist der Anteil an Fraßschutz wie Kieselsäure gering. Zudem ist ein Großteil der Wurzel- und Knollengemüse sehr gut verdaulich.

Beispiele: Futterrüben, Karotten, Knollensellerie, Kohlrabi, Pastinaken, Rote Bete, Petersilienwurz, Steckrübe (Kohlrübe), Topinambur, Zuckerrüben


Blattgemüse

Die meisten Arten von Blattgemüse gibt es in vielen verschiedenen Sorten. Der Gehalt an Nährstoffen und die Zusammensetzung der Rohfaser kann stark von der Ursprungsform abweichen. Oft ist der Gehalt wichtiger Aminosäuren relativ gering. Der Mineralstoffgehalt entspricht in etwa dem von Kräutern, kann aber je nach Sorte sowie Standort erheblich variieren. Manche Teile können stark lignifiziert sein, wodurch Blattgemüse einen hohen Anteil an Rohfaser haben kann. Der Anteil an Fraßschutzstoffen wie Kieselsäure kann stark vermindert sein.

Beispiele: Verschiedene Arten von Salat (z.B. Kopfsalat, Endivien, Chicorée, oder Rucola), Fenchelgrün, Blätter von verschiedenen Kohlsorten (z.B. Kohlrabi), Stangensellerie, Spinat, Mangold, ganze Topinamburpflanzen


Kohlgemüse

Kohl ist reich an wichtigen Eiweißen bzw. seltenen Aminosäuren. Er eignet sich insbesondere als Winterfutter. Von einigen Kaninchen wird Kohl allerdings nicht vertragen und muss daher vorsichtig angefüttert werden.

Beispiele: Kohlrabi, Brokkoli, Blumenkohl, Chinakohl, Grünkohl. Stärker blähende Kohlarten wie Romanesko (Variante des Blumenkohls), Rotkohl, Wirsing, Weißkohl, Rosenkohl nur in kleineren Mengen.

Zum Anfüttern besonders geeignet ist Chinakohl. Andere verträgliche Sorten sind Kohlrabi, Brokkoli, Blumenkohl


Früchte

Fruchtgemüse hat vergleichsweise wenig Rohfaser und geringen Gehalt an Mineralstoffen. Sie sind eher als Ergänzung geeignet.

Beispiele: Tomaten, Gurken, Kürbisse, Paprika, Zucchini


Näheres zu den einzelnen Gemüsesorten finden sie auf der Frischfutterliste.


Bei der Behandlung von Gemüse gehen Nährstoffe verloren. 20 - 60 % Verlust der Vitamine kann beim säubern auftreten, bei Salat und Karotten sogar bis 70 %. 20 - 30 % der Vitamine gehen beim zerkleinern verloren und bis zu 90 % bei einer Lagerung über 3 - 4 Tage.

Daher sollte Gemüse möglichst wenig behandelt werden. Ist es dennoch nötig, das Gemüse zu waschen, sollte dies kurz und kalt gemacht werden. Längeres waschen mit warmem Wasser bietet vorhandenen Bakterien eine ideale Vermehrungsgrundlage.


Gemüse vs. frische Wiese - Ist Gemüse eine Alternative?

Viele Halter stehen vor dem Problem, dass sie frische Wiese bzw. Gräser und Kräuter nur in geringen Mengen zur Verfügung stellen können. Gemüse wird als Alternative häufig skeptisch gesehen.


Bei Gemüse handelt es sich um eine sehr heterogene Pflanzengruppe, meist ein- oder zweijähriger krautiger Pflanzen, die frisch oder in zubereiteter Form Eingang in die Küche gefunden haben. Die Grenzen zwischen Gemüse, Würz-, Heil-, Zier- oder Wildpflanzen sind fließend. Gemüse ist nicht gleich Gemüse.

Einige "Wildgemüse" sind gleichwertig mit der natürliche Nahrung von Kaninchen wie Beispielsweise Löwenzahn. Andere Gemüse hingegen wurden vor vielen Jahren kultiviert und weichen dadurch von ihrer ursprünglichen Wildform ab. Sie wurden den Ansprüchen des Menschen angepasst. So sind viele Blattgemüse in ihrer Trockenmasse reicher an leicht abbaubaren Eiweißen, während Kräuter mehr schwerer verdauliche Eiweiße besitzen, wovon einige als Fraßschutz dienen oder giftig wirken. Dadurch enthalten viele Wildkräuter mehr Eiweiß wie vergleichbares Blattgemüse, welches an den Menschen als Allesfresser ohne Fermentationskammer züchterisch angepasst ist.

Insbesondere bei sehr hoch gezüchteten Sorten wie Kopfsalat kann der Mineralstoffgehalt von konventioneller Ware um einiges geringer sein als in wilden Kräutern. Auch die Zusammensetzung der Rohfaser kann abweichen.

Bezüglich Wurzelgemüse und Knollengemüse haben Speicherwurzeln von Wildpflanzen einen deutlich höheren Gehalt an Ligninen und Lignozellulose wie die für den Menschen gebräuchlichen Speicherwurzeln.


Beispiele für kultivierte Gemüse und ihre Wildformen. Nach verschiedenen Quellen

Kultivierte Form Wildform
Chicorée Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus)
Gartensalat Stachel-Lattich (Lactuca serriola)
Mangold See-Mangold, Wild-Bete (Beta vulgaris subsp. maritima)
Blumenkohl Gemüsekohl (Brassica oleracea)
Karotte Wilde Möhre (Daucus carota subsp. carota), vermutlich gekreuzt mit anderen Arten
Kohlrabi Gemüsekohl (Brassica oleracea)


Durch Umwelt- und Klimaeinflüsse unterliegen die Nährstoffgehalte allerdings natürlichen Schwankungen. Frisch geerntet enthält Gemüse die meisten Vitamine und Mineralstoffe, Luft- und Lichteinwirkung kann den Nährstoffgehalt stark verringern.


Verschiedene Kräuter und Gemüsesorten im Vergleich (Nach BLS pro 100 g (jeweils frisch)):

Energie

in kcal

Wasser

in g

Eiweiß

in g

Fett

in g

Kohlenhydrate

in g

Ballaststoffe

in g

Kalzium

in mg

Phosphor

in mg

Zucker

in g

Rosmarin 57 85 0.81 2.15 7.66 2.19 211 12 7.58
Beifuß 42 86.45 3.50 0.80 5.00 3.00 150 50 4.95
Löwenzahn 54 82.67 2.60 0.62 9.13 2.58 158 70 8.49
Sauerampfer 22 91.32 2.30 0.40 2.00 2.58 54 71 1.70
Brennessel 49 82.85 5.50 0.70 4.80 4.25 200 120 4.08
Pfefferminze 44 86.15 3.80 0.70 5.30 3.00 210 75.00 5.25
Chicoree 17 92 1.30 0.18 2.34 1.30 26 26 2.29
Blattspinat 17 91.79 2.52 0.30 0.55 2.58 126 55 0.47
Kopfsalat 12 95.02 1.25 0.22 1.06 1.60 37 33 1.05
Weißkohl 25 90.50 1.37 0.20 4.16 2.96 46 28 4.08
Wirsing 26 90.35 3.00 0.40 2.41 2.57 47 56 2.31
Karotte 26 89.27 0.98 0.20 4.80 3.63 41 35 4.63
Knollensellerie 19 90.41 1.70 0.30 2.25 4.20 68 80 1.80
Kohlrabi 25 91.59 2.00 0.10 3.70 1.50 68 50 3.55
Rote Rübe 42 86.26 1.53 0.10 8.38 2.50 29 45 8.38
Topinambur 31 78.47 2.44 0.41 4.00 12.51 10 78 1.12
Gurke 12 95.99 0.60 0.20 1.81 0.54 15 23 1.76
Paprika 37 87.28 1.30 0.50 6.40 3.59 10 30 6.40
Kürbiss 27 92.08 1.40 0.20 4.59 0.78 27 43 3.63

Artikel: Futtermittelanalyse


Durchschnittswerte (pro 100 g, frisch) im Vergleich:

Energie

in kcal

Wasser

in g

Eiweiß

in g

Fett

in g

Kohlenhydrate

in g

Ballaststoffe

in g

Kalzium

in mg

Phosphor

in mg

Zucker

in g

Kräuter 44,67 85,74 3,09 0,90 5,65 2,93 163,83 66,33 5,34
Blatt-/Kohlgemüse 19,40 91,93 1,89 0,26 2,10 2,20 56,40 39,60 2,04
Wurzel-/Knollengemüse 28,60 87,20 1,73 0,22 4,63 4,87 43,20 57,60 3,90
Fruchtgemüse 25,33 91,78 1,10 0,30 4,27 1,64 17,33 32,00 3,93
Abbildung 1. Durchschnittlicher Nährstoffgehalt (links) pro 100g; frisch von Kräuter und verschiedenen Gemüsesorten nach obiger Tabelle im Vergleich. In den meisten Kategorien ist der Gehalt an Nährstoffen im Gemüse im Vergleich zu den Kräutern deutlich.

Durchschnittlicher Energiegehalt (rechts) von Kräuter und verschiedenen Gemüsesorten nach obiger Tabelle im Vergleich. Selbst die als Energiereich bezeichneten Wurzel- und Knollengemüse haben einen deutlich geringeren Gehalt an Energie im Vergleich zu Kräutern.

Artikel: Futtermittelanalyse


Im Vergleich von frischer Wiese und kultiviertem Gemüse kann man schlussfolgernd feststellen, dass der Nährstoffgehalt von kultiviertem Gemüse in einigen Kategorien geringer ist als der frischer Wiese. Dass kultiviertes Gemüse einen geringeren/leicht abgeänderten Nährstoffgehalt hat, spricht allerdings nicht generell gegen ein ad libitum Angebot von frischem Gemüse.

Jeder Halter sollte sich im klaren darüber sein, dass auch Heu, also getrocknete Wiese, einem beachtlichem Nährstoffverlust ausgesetzt ist. Bis zu 50 % bei der Trocknung, zusätzlich der Verlust des Wassers sowie ein Verlust von 6 - 9 % bei jedem weiteren Monat Lagerung. Heu entspricht von seinem Nährstoffgehalt also keineswegs frischer Wiese, sondern hat ein bedenkliches Defizit.

Weitere Informationen zum Heu: Raufutter


Vergleich von Rohnährstoffgehalt und Verdaulichkeit verschiedener Heusorten, frischer Wiese, Kräutern und Gemüse (nach Schlolaut 2003)

Heu (a) Heu (b) Heu (c) Wiese (a) Wiese (b) Giersch Bärenklau Karotte Sellerie
Rohnährstoffe in % des Futtermittels TS % 89,3 85,5 87,6 25,0 20 10,6 14,0 12,3 5,6
Organische Substanz % 82,6 78,5 79,4 22,9 18 8,5 11,8 11,4 4,3
Roheiweiß % 8,4 10,0 13,6 3,0 3,5 1,9 2,6 1,4 0,9
Rohfett % 2,1 2,5 3,0 0,8 0,8 0,3 0,5 0,1 0,1
Rohfaser % 29,1 25,0 23,5 6,0 4,0 2,6 2,0 1,2 0,8
N-freie Extraktstoffe % 43,0 41,0 39,3 13,1 9,7 3,7 6,8 8,7 2,5
Verdaulichkeit in % Organische Substanz % 40 43 47 67 49 81 85 92 93
Roheiweiß % 53 55 50 75 62 73 82 86 77
Rohfett % 51 51 45 60 26 54 37 79 91
Rohfaser % 19 22 33 35 26 82 73 56 93
N-freie Extraktstoffe % 52 53 55 80 56 85 93 98 99
Abbildung 2.: Vergleich der Nährstoffgehalte in % von Wiese, Heu, Giersch (als Kräuterbeispiel) und Karotte (Gemüsebeispiel) nach Schlolaut (2003).

Artikel: Futtermittelanalyse


Der Vergleich zeigt dass nicht nur der Nährstoffgehalt, sondern auch die Verdaulichkeit der verschiedenen Futtermittel voneinander abweichen kann.

Insgesamt ist es sowohl bei Heu als auch bei Gemüse sinnvoll ausreichend mit anderen Futtermitteln zu ergänzen. Viele Kaninchen können aus einem großen Angebot genau das herauszusuchen was sie benötigen (Hauptartikel: Nahrungswahl). Bei entsprechendem Angebot sind sie also in der Lage, die Defizite des kultivierten Gemüses oder des Heus mit anderen Futtermitteln möglichst auszugleichen. Diese Möglichkeit muss aber jeweils bestehen.


Während ein Kaninchen also hauptsächlich mit artenreicher Wiese ernährt werden kann, sollten bei einer ad libitum Fütterung von Gemüse oder rationierter Gemüsefütterung mit ad libitum Heu immer nebenher andere geeignete Futtermittel angeboten werden.

Empfehlenswert ist hierbei:

  • Frische Zweige, Kräuter und Gräser
  • Verschiedene Gemüsesorten täglich, davon der Hauptteil Grünfutter
  • Hochwertiges Heu immer zur freien Verfügung
  • Andere Raufutter
  • Gegebenenfalls Kraftfutter soweit nötig




Quellen

Schlolaut, W. (Hrsg) in Zusammenarbeit mit Lange, K.; Das große Buch vom Kaninchen; 3., erw. Aufl.; Frankfurt am Main; DLG-Verl., 2003; 488 S.; ISBN 3-7690-0592-9

USDA (2010): United States Department of Agriculture; Agricultural Research Service; Release 22; Download am 18.02.2011; www.ars.usda.gov/main/main.htm

Bundeslebensmittelschlüssel; www.bls.nvs2.de