Futtermittelanalyse


Futtermittel bestehen aus vielen unterschiedlichen Bestandteilen. Diese können mit unterschiedlichen Methoden analysiert werden um dem Halter einen Überblick über die Wertigkeit des Futtermittels zu verschaffen. Auch auf dieser Homepage finden sich zahlreiche Angaben dazu, welchen Gehalt an welchen Nährstoffen verschiedene Futtermittel aufweisen. Doch solche Zahlen sollten keinesfalls als festgelegte Werte angesehen werden.


Analysemethoden

Weender Futtermittelanalyse

Dieses Verfahren wurde 1860 erstmals vorgestellt und hat in seinem Grundkonzept bis heute Gültigkeit. Ermittelt werden nicht exakt definierte Nährstoffe, sondern eine grobe Unterteilung in Rohnährstoffgruppen.

Zuerst wird das Wasser von der Trockensubstanz getrennt. Hierbei können mit dem Wasser flüchtige Fettsäuren und Alkohole entweichen, weshalb der Wert des Rohwassers höher sein kann als der des eigentlichen Wassers. Die Trockensubstanz besteht aus Rohasche (Verunreinigungen, Mineralstoffe) und organischer Substanz (Rohprotein, Rohfaser, Rohfett, Stickstofffreie Extraktstoffe (NfE)).

Kritisiert wird bei dieser Analysemethode die rechnerische Ermittlung des NfE-Gehaltes. Dieser wird ermittelt, indem von der organischen Masse Rohfett, Rohprotein und Rohfaser abgezogen werden. Der Gehalt von Rohprotein wird aus dem Stickstoffgehalt ermittelt, da man annimmt, dass Protein ca. 16% Stickstoff enthält. Dies ist allerdings nicht immer zutreffend, wodurch es zu Folgefehlern in der Berechung kommt. Zudem können bei dieser Analysemethode Kohlenhydrate nicht genauer unterteilt werden.


Abbildung 1. Futtermittelanalyse mithilfe der Weender Futtermittelanalyse. Die schwarzen Fraktionen werden gemessen, die blauen Werte hingegen berechnet. Beim Gehalt an Rohprotein wird der Stickstoffgehalt gemessen und mit 6,25 multipliziert.

Analysefraktion Nahrungsfaserkomponente
Rohfaser (XF)
  • Zellulose (weitgehend)
  • Hemizellulose (teilweise)
  • Lignin (teilweise)
  • Pektin (teilweise)
  • Chitin und Korkstoff (weitgehend)

ADF

  • Zellulose (weitgehend)
  • Lignin (weitgehend)
NDF
  • Zellulose (weitgehend)
  • Lignin (weitgehend)
  • Hemizellzlose (teilweise)
  • andere Stoffe
NF löslich
  • Pektin
  • lösliche Hemizellulose
unlöslich
  • unlösliche Hemizellulose
  • Zellulose
  • Lignin
Tabelle 1.: Aufteilung der Nahrungsfaser (nach Wiesenmüller 1993).

Erweiterte Weender Analyse (van Soest Analyse)

Bei dieser Methode wird der Teil der unsauber definierten Fraktionen Rohfaser und NfE der Weender Analyse ersetzt. Insgesamt wird in zwei größere Gruppe unterschieden:

  • Zellinhaltsstoffe (Rohasche, Rohprotein, Rohfett, organischer Rest)
  • Gerüstsubstanzen (NDF (neutral detergent fiber), ADF (acid detergent fiber) ADL (acid detergent lignin; Teil des ADF)).



Weitere Analyseverfahren

Sowohl bei der Weederanalyse als auch bei dem erweiterten Verfahren welches von Soest beschrieben wurde bleibt ein Rest zurück. Dieser kann durch zusätzliche Analysen wie der Ermittlung des Gehaltes an Zucker, Stärke, Pektinen weiter reduziert werden. Auch kann der Gehalt an löslichen und unlöslichen Nahrungsfasern analysiert werden.


Anorganische Stoffe
Rohwasser Rohasche
  • Wasser
  • teilweise flüchtige Fettsäuren und Alkohole
  • Mineralstoffe
    • Mengenelemente
    • Spurenelemente
  • Verunreinigungen
Organische Stoffe
Rohprotein Rohfett Rohfaser Stickstofffreie Extraktstoffe
  • Proteine
  • N-haltige Verbindungen nichtproteinartiger Natur
  • Fette
  • Wachse
  • Farbstoffe(Carotin, Chlorophyll)
  • ätherische Öle
  • ...
  • Zellulose
  • Pentosane
  • Lignin
  • Kohlenhydrate
  • Zucker
  • Stärke
  • Pektin
  • Hemizellulose
  • ...
Tabelle 2.: Schema der Weenderanalyse; Unterteilung der Fraktionen (nach Wiesenmüller 1993).



Aussagekraft der Anaylsemethoden

Über die genannten gängigen Analysemethoden kann ermittelt werden, welchen Gehalt der analysierten Fraktionen ein bestimmtes Futtermittel enthält. Was allerdings nicht heißt, dass dieser Gehalt auch dem Kaninchen zur Verfügung steht, auch kann nicht verallgemeinert werden.

Insbesondere bei naturbelassene Futtermitteln bzw. Futtermitteln, welche nicht-synthetische hergestellt werden sind einige Punkte zu beachten.


Verwertbarkeit von Nährstoffen

Ermittelt werden mittels der Analysen die Rohnährstoffe. Das heißt jene Stoffe, die tatsächlich enthalten sind. Aber nicht der gesamte Anteil der Rohnährstoffe ist verdaulich. Mit Hilfe von bestimmten Versuchen kann analysiert werden, welchen Anteil der Rohnährstoffe von einer bestimmten Tierart verdaut werden kann. Dabei muss unterschieden werden zwischen scheinbar verdaulichen und tatsächlich verdaulichen Nährstoffen. Die mikrobielle Umsetzung im Darm spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Dadurch erhält man für ein bestimmtes Futtermittel bei einem bestimmten Tier den Anteil an verdaulichen Nährstoffen.

Aber auch hierbei gibt es bestimmte Problematiken. So kann Beispielsweise eine Aminosäure vollständig verdaut und absorbiert werden, aber nicht oder nur unvollständig verwertet (Moder 2003).


Zusammenspiel von Nährstoffen

Nähr- und Wirkstoffe wirken immer im Zusammenspiel mit und in Abhängigkeit von anderen Stoffen. Beispielsweise verbessern beim Menschen Vitamin C und Fructose die Aufnahme von Eisen, während Milchsäure und Phosphate die Aufnahme hemmen. Tannine hemmen die Aufnahme ebenfalls, da sie Komplexe mit dem Eisen bilden. (Bützer 2009)


Schwankungen des Nährstoffgehaltes

Insbesondere natürliche Futtermittel unterliegen immer Schwankungen. Die Analyse eines solchen Futtermittels ist daher immer nur eine Momentaufnahme. Werden mehrfache Analysen durchgeführt, können Minimal-, Maximal- oder Mittelwerte angeben werden. Die Einzelwerte können sich allerdings stark unterscheiden.

Der Nährstoffgehalt einer Pflanze kann Beispielsweise von Sorte, Standort, Klima, Anbauform, Düngung, Wachstumsprozess, Erntezeitpunkt, Reifegrad, Transport und Lagerung, aber auch vom verwendeten Analyseverfahren abhängen.


Komplexe Naturprodukte

Wird der Gehalt an Nährstoffen einer Pflanze analysiert, nimmt man genau diese Nährstoffe und gibt sie in ein Gefäß erhält man trotz allem nicht diese Pflanze. Der Organismus besteht nicht nur aus bestimmten Stoffen, sondern diese bilden auch Strukturen, interagieren miteinander und liegen im Komplexen vor.

Zusätzlich kommen viele Stoffe grundsätzlich nicht isoliert sondern im komplexen Umfeld von zahlreichen biologischen Vor- und Zwischenstufen vor. Dieser Effekt wird bei Beispielsweise bei synthetischen Produkten nicht erreicht.



Fazit

Die Analyse der Bestandteile eines Futtermittels kann Aufschlüsse über den Gehalt an Nährstoffen geben. Allerdings handelt es sich nicht um verallgemeinerbare Werte. Auch ist der ermittelte Nährstoffgehalt nicht gleichzusetzen mit dem verwertbaren Nährstoffgehalt für das einzelne Tier.

Viele Angaben zum Nährstoffgehalt verschiedener Futter- oder auch Lebensmittel wurden anhand weniger bestimmter Pflanzen ermittelt. Es handelt sich dabei immer nur um Momentaufnahmen. Solche Angaben zum Nährstoffgehalt sind Beispiele, die zur Verdeutlichung und dem Verständnis beitragen können, dürfen aber nicht als feste Richtwerte genutzt werden.



Quellen

Bützer, P. (2009): Eisen im Körper, Pädagogische Hochschule St.Gallen

Dahlhoff S. (2003): Fruktangehalt im Gras von Pferdeweiden während der Weidesaison 2002, Hannover 2003

Kirchhoff, Eva: Vitamin- und Mineralstoffgehalt pflanzlicher Lebensmittel in: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (Hrsg.): Ernährungsbericht 2004, Bonn, S. 207 - 234

Moder K.: Statistische Interpretation von Futtermittelanalysen. In: 2.BOKU-Symposium 2003

Wiesemüller, W. und Leibetseder, J.: Ernährung monogastrischer Nutztiere, Kapitel 4. [Hrsg.]. Jena, Stuttgart: G. Fischer. ISBN 3-334-60428-4