Pflanzen müssen sich vor einer Vielzahl von Fraßfeinden schützen. Neben Schutzmechanismen wie Bestachelung und Behaarung ist die Produktion von Giftstoffen eine der wichtigsten Abwehrmechanismen von Pflanzen. Bei diesen Giftstoffen handelt es sich um verschiedene chemische Verbindungen, die meisten gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen.
Der Übergang von Gift- zu Heilwirkung und umgekehrt ist stets fließend. Schon vor 500 Jahren schrieb der berühmte schwäbische Arzt und Naturforscher Paracelsus (1493-1541): "Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist“
Kaninchen sind in gewissem Maß der Lage zu lernen, ihr Futter entsprechend ihres Nährstoffbedarfs und seiner Giftigkeit zu selektieren. Dieses Verhalten muss erlernt werden, allerdings benötigt es gewisse Vorraussetzungen. Nicht immer ist das Kaninchen in der Lage, ungeeignete Futtermittel zu meiden.
Probleme kann es z.B. geben durch:
Daher ist es sinnvoll, entsprechend vorzuselektieren. Je weniger den Tieren die Möglichkeit geboten wird zu selektieren bzw. je weniger die Tiere dazu in der Lage sind, desto mehr muss der Halter sich über die Bedürfnisse und die Giftigkeit verschiedener Futtermittel im Klaren sein.
Gräser zählen unter natürlichem Umständen zur Hauptnahrung eines Kaninchens. Es gibt zahlreiche verschiedenen Arten und Sorten. Nicht alle dieser Gräser sind unbedenklich.
Verändert durch Zucht können einige Sorten einen hohen Gehalt an Fruktanen haben. Während Wildformen auf max. 15 % Zucker und Stärke kommen, können es bei Hochleistungsgräser bis über 40 % sein (Lenuweit et al., 2002). Der Frukatangehalt ist abhängig von Umweltbedingungen wie Temperatur und Sonneneinstrahlung. Ist es kalt oder besonders heiß (über 30°C) kommt der Transport im Gewebe zum stehen und Assimilate sammeln sich an. Das Mikroklima darf dabei nicht unterschätzt werden.
Aber auch Pilze, welche in der Pflanze und in Symbiose mit dieser leben, auch Endophyten genannt, können giftig wirken (Vanselow 2008). Durch ausgeschiedene Mykotoxine schützen sie die Pflanze vor Fraßfeinden. Dadurch werden die Pflanzen einerseits resistenter gegen Schädlinge, andererseits aber auch giftiger für Weidetiere.
Insbesondere auf Zierrasenflächen werden gerne Sorten verwendet, die resistent und Trittfest sind, aber auch intensiv genutzten Weiden oder Wiesenflächen zur Heuproduktion sind resistente und leistungsfähige Sorten häufig zu finden. Dabei handelt es sich oft um Zuchtformen der Art Deutsche Weidelgras (Lolium perenne) oder der Wiesen-Schwingel (Festuca pratensis). Untersuchungen an verschiedenen Grasarten ergaben, dass bis zu 45,3 % des Deutschen Weidelgrases und bis zu 86% des Wiesenschwingels aus Sachsenanhalt mit dem Pilz infiziert sind. (Vanselow 2008). Dies sagt allerdings nichts über ihre Giftigkeit aus.
Faktoren wie Dürre, Übernutzung, Nährstoffmangel, Parasiten und Konkurrenz können einen erhöhten Gehalt an giftigen Wirkstoffen fördern, da es die Resistenzen der einzelnen Pflanzen fördert und fordert.
Vergiftungen bei Weidetieren durch Endophyten sind seit Jahrzehnten bekannt. Es ist zu vermuten, dass dieser Pilz auch einem Kaninchen zum Verhängnis werden kann.
Nicht nur frisches Gras, sondern auch daraus entstehende Produkte wie Heu oder Pellets können giftig sein. Insbesondere dann, wenn ein Tier gezwungen wird solche Produkte zu fressen (z.B. zu wenig Frischfutter oder Fertigpäppelfutter), kann dies gefährlich werden.
Kaninchen sollten daher immer ausreichend Möglichkeiten haben, solch giftigen Pflanzen zu meiden. Gesammelt werden sollte bevorzugt auf artenreichen Wiesen. Bei Saatgut, welches für den Kaninchenauslauf genutzt wird empfiehlt es sich, auf endophytenfreies/getestetes Saatgut zu achten.
Quellen
Briemle G.: Giftpflanzen des Grünlandes - Wirkung auf Nutztier und Mensch, sowie Bekämpfungsmaßnahmen; Bildungs- und Wissenszentrum Aulendorf (LVVG), 2000
Lenuweit, U. & Gharadjedaghi, B. (2002): Biologische Basisdaten zu Lolium perenne, Lolium multiflorum, Festuca pratensis und Trifolium repens. Reihe UBA-Texte 08/02: 1-153 + Anhang.
Rätselhafte Weidekrankheit, Reiter Revue 2/2008
Vanselow, Renate U.: Endophyten und Fruktane - Risiken für die Tiergesundheit, NBB kompakt Bd. 1, Hohenwarsleben, 2. überarb. Aufl. von 2008 · Westarp Wissenschaften, ISBN 9783894321123