Nährstoffe


Nährstoffe sind verschiedene anorganische und organische Stoffe, die ein Lebewesen, in diesem Fall das Kaninchen, für seinen Stoffwechsel bzw. zur Lebenserhaltung benötigt.


Entscheidend für die Bestimmung des Nährstoffgehaltes sind verschiedene Analyseverfahren. Genauere Informationen im Artikel Futtermittelanalyse


Fette

Fette (chemisch: Lipide) sind wichtig für die Energieversorgung bei Bewegung, Tätigkeit der Organe, Wärmeisolation und Erhaltung der Körpertemperatur. Sie bestehen aus dem dreiwertigen Alkohol Glycerin und maximal drei Fettsäuren. Zudem enthalten Fette eine Reihe von Bestandteilen, wie die fettlöslichen Vitamine (A, D, E, K) und das Cholesterin, welches nur in tierischen Fetten vorkommt. Die Eigenschaften eines Fettes werden bestimmt durch die Anzahl und Art der Fettsäuren. Hauptcharakteristika der Fettsäuren sind Kettenlänge (Anzahl der Kohlenstoffatome).

Fette enthalten mehr als das doppelte an Energie im Vergleich zu Zucker und Stärke. Unterschieden wird zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren. Einige dieser Fettsäuren sind essentiell, müssen also über die Nahrung zugeführt werden.

Empfohlene Werte aus der Literatur:

  • Lang (1981): 2 - 4 % Fett
  • Wolf und Kamphues (1999): 2 – 5 %

Für steigenden Fettgehalt wurden sowohl höhere Wachstumsraten (Arrington et al. 1974, Besedina 1977) als auch niedrigere Wachstumsraten (Parigi-Bini et al. 1974) beobachtet. Lebas (1975) wies keinen Effekt auf die Wachstumsrate nach. Die erklärte er damit, dass Kaninchen eine konstante Energieaufnahme anstreben und daher weniger Futter aufgenommen wurde. Allerdings beobachtete Thacker (1956) eine höhere Futteraufnahme bei steigendem Fettgehalt. Angaben zum optimalen Rohfettgehalt gelten daher als schwierig, zumal auch die Qualität des Fettes entscheidend ist. (Lang 1981)


Kohlenhydrate

Hauptartikel: Kohlenhydrate

Kohlenhydrate sind Produkte der pflanzlichen Photosynthese und wichtige Energielieferanten. Der Energiebedarf kann stark variieren. Je kleiner das Tier, umso höher ist der Energiebedarf (Harkness 1987). Der Energiebedarf von Kaninchen im Erhaltungsstoffwechsel beträgt durchschnittlich 440 kJ DE/kg KM0,75 (Kampuhes et al. 1999).

Mangel an Energie führt zu Verlust an Körpermasse und kann Immunschwäche und damit eine erhöhte Infektionsanfälligkeit hervorrufen (Zentek und Kampuhes 1999).


Mengen- und Spurenelemente

Mineralstoffe dienen dem Aufbau des Skelettes, der Enzyme und des Blutes. Das richtige Verhältnis der Mineralstoffe ist wichtig für eine ausreichende Ausscheidung überschüssiger Mineralien über den Urin. Ein Mangel an Kalzium kann zu Zahnfehlstellungen oder einem durchbrechen der Wurzeln durch den Kieferknochen führen.

Empfehlungen für verschiedene Elemente nach Schlolaut:

Calcium 0.4 - 1.1 %
Phosphor 0.2 - 0.8 %
Magnesium 0.2 - 0.3 %
Natrium 0.2 - 0.3 %


Rohfaser

Hauptartikel: Rohfaser

Unter Rohfaser versteht man eine sehr unterschiedliche Gruppe von Futter-Bestandteilen. Der überwiegende Teil besteht aus fasrigen Pflanzenteilen. Die Zusammensetzung hängt mit dem Analyseverfahren zusammen, da der Rohfaser-Gehalt dadurch bestimmt wird, dass das Futter in bestimmten Säuren und Laugen gekocht wird. Alles was bei diesem Vorgang aufgelöst wird und nicht Fett, Eiweiß oder Asche ist, bezeichnet man als Rohfaser. Im wesentlichen handelt es sich um Stützsubstanzen der Pflanze. Zum Beispiel Zellulose, Heminzellulosen (Pentosane, Hexosane) und Lignin

Rohfaser in der Kaninchenernährung ist ein äußert umstrittenes Thema. Die Angaben der Rohfaser in den verschiedenen Futtermitteln variieren genauso wie die Angaben der benötigten Menge.

Rohfaser sorgt für eine schnellere Darmpassage und eine stabile Darmflora. Ein zu hoher Rohfasergehalt kann allerdings auch die Resorption von Nährstoffen verringern.

Ausgehend von Angaben von Schlolaut finden sich in der natürlichen Nahrung von Kaninchen etwa 2 - 6 % Rohfaser. Für Heu hingegen findet man Zahlen von über 20 %.

Ausschlaggebend ist für Kaninchen allerdings nicht der reine Gehalt an Rohfaser, sondern Struktur und seine Verdaulichkeit. So ist Heu Beispielsweise unverdaulicher als Wiese. Die Struktur von Rohfaser spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Klein zermahlen, wie z.B. in Pellets bringt sie weniger positiven Effekt auf die Darmflora. Auch die chemische Gestalt ( Lignin, Cellulose, Pektin etc.) der Rohfaser kann sich unterscheiden. Daher ist die Angabe reiner Rohfaser wenig sinnvoll.


Protein (Eiweiß)

Proteine spielen eine wichtige Rolle im gesamten Körper. Sie sind Baustoffe, Katalysatoren, Transporter, Motoren, Botenstoffe und Energiereserve. Protein ist durch nichts anderes zu ersetzten. Es ist nötig für Muskelbildung, Organwachstum, Haar und Krallenwachstum, Ersatz von verbrauchten Körpersubstanzen etc. Zusätzlich kann es als Energiequelle genutzt werden. Ein Mangel an Protein oder auch bestimmten Aminosäuren kann zu vielfäligen Schäden führen.

Proteine bestehen aus Aminosäure, einige müssen mit der Nahrung aufgenommen werden, sind also essentiell.

Bei Kaninchen sind dies folgende Aminosäuren:

  • Arginin
  • Cystin (Kann selbst hergestellt werden, benötigt wird allerdings eine essentielle Aminosäure)
  • Glyzin
  • Histidin
  • Isoleucin
  • Leucin
  • Lysin
  • Methionin
  • Phenylalanin
  • Tyrosin
  • Tryptophan
  • Threonin
  • Valin

Je vollständiger diese essentiellen Aminosäuren in der Futterration enthalten sind, desto höher ist deine biologische Wertigkeit. Das Fehlen nur einer dieser Aminosäure kann die Herstellung von Körpereigenen Proteinen begrenzen und ihre Verwendungsfähigkeit mindern.

Proteine können entweder durch körpereigene Enzyme oder durch Mikroorganismen abgebaut werden. Nicht das gesamte aufgenommene Rohprotein kann verdaut werden, man spricht daher zusätzlich von verdaulichem Rohprotein.


Vitamine

Hauptartikel: Vitamine

Viele Vitamine können nicht selbst synthetisiert werden und müssen daher aufgenommen werden. Hierfür ist Grünfutter wichtig, gerade bei erhöhtem Bedarf (Tragezeit, Säugen, Krankheit etc.).

Gebildet werden können Vitamin C und unter Sonnenlicht Vitamin D. Vitamin C ist an Oxidations- sowie Reduktionsprozessen beteiligt. Zudem spielt es beim Aufbau von Hormonen, der Blutgerinnung sowie dem Immunsystem eine wichtige Rolle. Wichtig für die Verwertbarkeit dieses Vitamins sind Carotinoide. Vitamin D reguliert Kalzium sowie Phosphorstoffwechsel, fördert deren Aufnahme aus dem Darm, reguliert deren Ausscheidung über die Niere und ist wichtig für den Skelettbau.

Vitamin B wird im Blinddarm synthetisiert und mit dem Blinddarmkot aufgenommen, es ist an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Ebenso wird Vitamin K mit dem Blinddarmkot aufgenommen und ist bei verschiedenen Stoffwechselvorgängen von Bedeutung.

Vitamin K fördert die Synthese ungesättigter Fettsäuren und ist daher wichtig für das Fellwachstum. Aufgenommen werden vom Kaninchen Vitamin K1 (Phyllochinon) über Pflanzen und Vitamin K2 (Menachinon) über den Blinddarmkot. Vitamin K3 (Menadion) kann für Kaninchen zum Gift werden.

Vitamin A muss aufgenommen werden, ist aber im natürlichen Futter in einer Vorstufe vorhanden (Wird also nicht als Vitamin A aufgenommen, sondern als Vorstufe). Enthalten ist es insbesondere im Grünfutter. Bei alleiniger Aufnahme von minderwertigem Heu und Wurzelgemüse kann es zu Mangelerscheinungen kommen. Vitamin A dient zum Aufbau, Schutz und der Regeneration von Haut und Schleimhäuten. Es ist wichtig für das Immunsystem und an vielen Stoffwechselwegen beteiligt. Bei Mangel an Vitamin A kann es zu Augenveränderungen, Wachstumsverzögerungen und Fortpflanzungsstörungen kommen.

Empfehlungen nach Schlolaut:

  • Vitamin A: 6000 - 12000 IE/kg
  • Vitamin D: 500 - 900 IE/kg
  • Vitamin E: 50 IE/kg
  • Vitamin K: 2 IE/kg



Quellen

Arrington, L.R., Platt, J.K. and Franke, D.E. (1974): Fat utilisation by rabbits, J. Anim. Sci. 38, 76 – 80

Besedina, G. G. (1977): Fat supplements in the diet for rabbits, Nutr. Abstr. Rev. 40, 303

Boback, Alfred W.; Das Wildkaninchen: (Oryctolagus cuniculus (Linné, 1758); 2., unveränd. Aufl.; Nachdr. der 1. Aufl., Wittenberg Lutherstadt, Ziemsen, 1970; Hohenwarsleben; Westarp-Wiss.-Verl.-Ges.; 2004; (Die neue Brehm-Bücherei; 415); ISBN 3-89432-791-X

Schlolaut, W. (Hrsg) in Zusammenarbeit mit Lange, K.; Das große Buch vom Kaninchen; 3., erw. Aufl.; Frankfurt am Main; DLG-Verl., 2003; 488 S.; ISBN 3-7690-0592-9

Bickel-Sandkötter,S. (2003): Nutzpflanzen und ihre Inhaltsstoffe. Quelle und Meyer Verlag, Wiebelsheim

Cork, S.J. Foley, W.J. (1991): Digestive and metabolic strategies of arboreal mammalian folivores in relation to chemical defenses in temperate and tropical forests. S. 133166. In: Palo, R.T. Robbins, C.T. Plant defenses against mammalian herbivory. CRC Press, Boca Raton (Florida)

Harkness, J.E. (1987): Rabbit husbandry and Medicine, In: Harkness, J.E. (ed.): The Veterinary Clinics of North America Small Animal Practice 17, pp. 1019 - 1044, W.B. Saunders, Philadelphia, London, Toronto, Sydney, Tokio

Hess, H.D. (2003): Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe: antinutritive Faktoren mit Potential als Futterzusätze in der Rindviehfütterung? In: Kreuzer M, Wenk C and Lanzini T. Gesunde Nutztiere – Heutiger Stellenwert der Futterzusatzstoffe in der Tierernährung. Schriftenreihe Institut für Nutztierwissenschaften, ETH Zürich 24: 89102

Kamphues, J., Schneider, D. und Leibetseder, J. (1999): Supplemente zu Vorlesungen und Übungen in der Tierernährung, Verlag M & H Schaper, Alfeld – Hannover, 9. Aufl.

Kersten, J. Rohde, H.R. Nef, E. 2004. Mischfutter Herstellung. Rohware Prozesse Technologie. Agrimedia, Bergen/Dumme

Lang, J. (1981): The nutrition of the commercial rabbit, Part 1: Physiology, digestibility and nutrient requirements, Nutrition Abstracts and Reviews - Series B Vol. 51, No. 4, 197 - 225, Ministry of Agriculture, Fisheries and Wood, Wolverhampton, England

Lebas, F. (1975): Effect of energy level in the food of growth and performance of the rabbit (Fr), Ann. Zootech. 24, 281 – 288

Parigi-Bini, R., Chiericato, G.M. and Lanari, D. (1974): Influence of the level of fat (beef tallow) on diet digestibility and energy utilisation by growing rabbits (It), Rivista Zootec. Vet. 3, 193 - 202

Roger Eckert: Tierphysiologie. 4. durchgesehene Aufl. 2002. Georg Thieme Verlag. ISBN 3-13-664004-7

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Schulze, E.D. Beck, E. MüllerHohenstein, K. (2002): Pflanzenökologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin

Thacker, H.J. (1956): Dietary fat level in the nutrition of the rabbit, J. Nutr. 58, 243 – 249

Wolf, P. und Kamphues, J. (1999): Empfehlungen zur Fütterung kleiner Nager in der Heimtierhaltung, Fortbildungsveranstaltung „Praxisrelevante Fragen zur Ernährung kleiner Heimtiere“, Tierärztliche Hochschule Hannover 1999, 41 - 50

Zentek, J. und Kamphues J. (1999): Erkrankungen bei kleinen Heimtieren durch eine Fehlversorgung mit Energie oder Protein, Fortbildungsveranstaltung „Praxisrelevante Fragen zur Ernährung kleiner Heimtiere, Tierärztliche Hochschule Hannover 1999, 105 – 109