Körpergewicht


Es gibt zahlreiche Zuchtformen des Kaninchens. Die Kleinsten und Leichtesten mit weniger als einem Kilogramm und die Größten mit über 10 kg, dazu viele verschiedene Körperstaturen. Dadurch lässt sich kein allgemeingültiges Idealgewicht festlegen. Selbst innerhalb einer Rasse kann das Idealgewicht sehr stark variieren, so dass man auch anhand der Rasse nicht festmachen kann, ob ein Kaninchen zu viel oder zu wenig wiegt. Es muss ganz individuell entschieden werden.


Kapitel

Ideal-, Über oder Untergewicht

Maßnahmen bei Übergewicht

Maßnahmen bei Untergewicht

Wamme - Ein Zeichen für Übergewicht?



Ideal-, Über- oder Untergewicht

Allein die Waage kann nicht entscheiden, ob das Kaninchen das richtige Gewicht hat. Eine regelmäßige Gewichtskontrolle ist dennoch empfehlenswert, um Anhaltspunkte bei Krankheit zu haben und das Tier besser einschätzen zu können.

Bei Stress oder Krankheit kann es Gewichtsverlusten kommen. Aber auch bedingt durch Jahreszeit, sowie Futter- und Wasseraufnahme kann das Gewicht erhebliche schwanken und sich der Körper der Tiere verändern. Ein größerer Gewichtsverlust ist daher kein Grund in Panik zu geraten.

Gewichtsschwankungen von 10% auch innerhalb weniger Tage durch Regulation des Wasserhaushaltes sind nicht ungewöhnlich. Auf- und Abbau des Winterspecks können zusätzlich weitere 10% ausmachen. Bei Futterumstellungen kann es zu erheblichen Gewichtsverlust und folgend auch wieder Zunahmen von mitunter bis zu 50% kommen.

Auch die Körperstatur und die Hautbeschaffenheit kann sich ändern. Eine dicke, weiche Haut ist Merkmal insbesondere von Außenkaninchen im Winter, da hier Unterhautfett zur Isolation gegen die Kälte eingelagert wird. Über den Sommer fühlt sich die Haut wieder dünner an.

Anhand bestimmter Merkmale lässt sich feststellen ob das Kaninchen Über-, Unter- oder Normalgewicht hat. Auch das Verhalten des Tieres ist ausschlaggebend bei der Entscheidung, ob ein Kaninchen abspecken sollte.

Die folgende Abbildung soll bei der Beurteilung helfen. Sie orientiert sich am BCS (Body Condition Score), wie er für Nutztiere und Pferde entwickelt wurde.

Abbildung 1: Beurteilung des Gewichtes mittels Body Condition Score (BCS).



Tabelle 1: Erkennungsmerkmale

Übergewicht Idealgewicht Untergewicht
Rippen nicht spürbar bei leichtem Druck spürbar stark spürbar
Wirbelsäule nicht spürbar darf spürbar sein, muss aber nicht stark spürbar
Rücken sehr weich fest sehr hart
Becken nicht spürbar wenig bis gar nicht spürbar gut spürbar



Maßnahmen bei Übergewicht

Hat ein Kaninchen Übergewicht, stimmt etwas mit dem Tier selbst (z.B. Stoffwechselstörung), der Ernährung oder der Haltung nicht. Zur artgemäßen Ernährung und Haltung finden sich auf dieser Homepage zahlreiche Informationen.

Übergewicht kann einem Kaninchen schaden. Der Bewegungsapparat - Sehnen, Bänder, Gelenke - werden übermäßig stark belastet. Zudem ist Fettgewebe nicht nur ein Energiespeicher, es produziert eine ganze Reihe hormonell aktiver Proteine – sogenannte Adipokine. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation des Körpergewichtes und der Interaktion mit dem Zuckerstoffwechsel. Beispielsweise verbessert Adiponectin die Insulinsensitivität der Körperzellen, wirkt gefäßerweiternd und besitzt entzündungshemmende Effekte. Aber seine Produktion mit steigendem Fettanteil des Körpers. Ein vernünftiges Körpergewicht ist also für Gesundheit und Wohlbefinden wichtig.

Eine reine Heudiät aufgrund von Übergewicht ist keinesfalls ratsam, ebenso eine radikale Reduktion der Frischfuttermenge. Eine ausreichende Versorgung mit den benötigten Nährstoffen muss weiterhin gewährleistet sein.

Eine Futterumstellung sollte immer langsam erfolgen. Je länger ein Kaninchen mit Pellets & Co. ernährt wurde desto langsamer muss es an andere Nahrungsmittel gewöhnt werden. Ansonsten drohen gefährliche Mangelerscheinungen, die zu nachhaltigen Problemen wie Zahnfehlstellungen führen können.

Auf Dauer nicht gefüttert werden sollten Fertigfutter aller Art, ob mit oder ohne Getreide. Angeboten werden sollten hingegen eine große Auswahl an verschiedenen Gräsern und Kräutern. Dabei sollten die Tiere durch Futtersuche zur Bewegung animiert werden (z.B. ist auch Clickertraining möglich) und die Bewegung langsam gesteigert werden. Keinesfalls sollten die Kaninchen jedoch zur Bewegung gezwungen werden.

Es kann zu einer Gewichtszunahme kommen, wenn Haltung und Ernährung angepasst werden und Muskeln aufgebaut werden. Daher ist eine Gewichtszunahme ist erst mal nicht bedenklich.



Maßnahmen bei Untergewicht

Untergewicht ist für Kaninchen genauso wenig gesund wie Übergewicht. Häufig mangelt es oft nicht nur an Energie, sondern auch an andere Nährstoffen. Der Gesundheitszustand des Tieres sollte vom Tierarzt überprüft werden und vor allem Darmparasiten (Kotuntersuchung!) ausgeschlossen werden. Die Fütterung muss entsprechend angepasst, gegebenenfalls Kraftfutter gereicht werden.

Wurde ein Kaninchen lange mit Fertigfutter ernährt ist eine langsame Futterumstellung über mehrere Wochen unbedingt nötig. Der Verdauungstrakt braucht Zeit, bis ausreichend verwertbare Nährstoffe aus Grünfutter herausgelöst werden können. Wird die Ernährung zu schnell umgestellt kann es zu Darmbeschwerden kommen.

Vielen Kaninchen mangelt es nicht nur an notwendigem Speicherfett, sie können Mangels des nötigen Nährstoffangebotes auch keine Muskeln aufbauen. Eiweißreiches Futter wie Kohl, Klee, Winden, Esparsette, Giersch, Wicken etc. kann den Tieren helfen. Es muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Tiere derartiges Futter vertragen und ausreichend alternatives Futter angeboten wird.



Wamme - Ein Zeichen für Übergewicht?

Die Wamme ist eine Hautfalte, die vor allem bei einigen weiblichen Kaninchen vorkommt. In der Zucht sind Wammen normalerweise unerwünscht, obwohl sie als Anzeichen auffallender Wirtschaftlichkeit gelten (Eknigk 2003). Die Wammenbildung bzw. die Anlage zur Wammenbildung ist erblich bedingt und kann durch verschiedene Umwelteinflüsse (Alter, Geschlecht, Ernährung) ausgelöst werden.

Wammen sind daher in den meisten Fällen genetisch bedingt und lassen sich durch die Ernährung, insbesondere nach dem 10 Lebensmonat nur wenig beeinflussen. Eine Wamme ist also kein Merkmal für Übergewicht.



Quellen

Eknigk, Heidrun; Holländer; 3., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage; Reutlingen 2003, Oertel + Spörer Verlags-GmbH + Co.; ISBN 3-88627-705-4