Das Immunsystem


Das Immunsystem ist das biologische Abwehrsystem höherer Lebewesen. Es ist ein komplexes Netzwerk aus verschiedenen Organen, Zelltypen und Molekülen.

Dringen schädliche Erreger in den Organismus ein, kann es zu Funktionsstörungen und Krankheiten kommen. Typische Erreger sind:

  • Bakterien
  • Viren
  • Pilze
  • Einzellige und Mehrzellige Parasiten

Neben der Vernichtung schädlicher Erreger erkennt und zerstört das Immunsystem auch fehlerhafte körpereigene Zellen.

Das Immunsystem besteht aus verschiedenen Komponenten. Es verfügt über mechanische Barrieren, spezifische Abwehrzellen, Eiweiße, welche als Botenstoffe oder zur Abwehr von Krankheitserregern dienen sowie psychische Immunfaktoren.


Kapitel

Mechanische und physiologische Barrieren

Immunabwehr

Einflüsse auf das Immunsystem


Mechanische und physiologische Barrieren

Der tierische Organismus verfügt über zahlreiche äußere Schutzbarrieren, die verhindern sollen, dass Keime und schädliche Substanzen von außen in den Körper eindringen. Sie bilden eine erste physikalische und chemische Barriere. Zu diesen Barrieren zählen Beispielsweise:

  • Haut
  • Schleimhaut
  • Augen
  • Atemwege
  • Mundhöhle
  • Magen
  • Darm
  • Harntrakt

Auch dort produzierte Flüssigkeiten, wie Talg, Speichel, Magensaft und Harn bieten zusätzlichen Schutz. Gelingt es Erregern diese Barrieren zu umgehen, kommen die inneren Abwehrmechanismen zum tragen.

Der Darm spielt eine besondere Rolle für das Immunsystem. Aufgrund der großen Oberfläche der Darmschleimhaut verfügt diese über 70–80 % aller Zellen, die Antikörper produzieren. In bestimmten Abschnitten des Darms finden sich organisiertes lymphatisches Gewebe in Form der Peyer-Plaques.


Immunabwehr

Die Immunabwehr verfügt über zwei grundlegend verschiedene Mechanismen.

1. Angeborene oder unspezifische Abwehr:

  • anatomische und physiologische Barrieren wie Epithelien
  • zellvermittelte Gegenwehr durch Phagozytose
  • entzündliche Reaktionen
  • das Komplementsystem
  • Makrophagen, natürliche Killerzellen und neutrophilen Zellen erkennen Erreger und können Pathogene bekämpfen, auch wenn vorher kein Kontakt damit bestand


2. Adaptive oder spezifische Abwehr (ermöglicht die Anpassungsfähigkeit gegenüber neuen oder veränderten Krankheitserregern):

  • Erkennung spezifische Strukturen (Antigene) der Angreifer
  • gezielt zelluläre Abwehrmechanismen und molekulare Antikörper
  • T- und B-Lymphocyten

Die verschiedenen Bestandteile des Immunsystems bedingen sich gegenseitig. Erst durch ein gut koordiniertes Zusammenspiel der angeborenen und adaptiven Immunabwehr wird die komplexe Immunreaktion des Körpers ermöglicht.


Zellen des Immunsystems

Zelle Funktion
Monozyten Vorläufer der Makrophagen
Makrophagen phagozytieren eingedrungene Erreger
Antigenpräsentierende Zellen z. B. Makrophagen, B-Zellen und Langerhanszellen der Haut. sie "präsentieren" Antigene und starten damit eine Reaktionskette der Immunantwort
Granulozyten Neutrophile Granulozyten phagozytieren Bakterien, Viren und Pilze im Blut
Eosinophile Granulozyten Abwehrzellen gegen Parasiten, allergische Reaktionen
Basophile Granulozyten Abwehrzellen gegen Parasiten, allergische Reaktionen, Entzündungsreaktion, Juckreizentstehung
B-Zellen B-Lymphozyten Vorläufer der Plasmazellen
Plasmazellen Produzieren Antikörper
B-Gedächtniszellen können bei erneutem Kontakt mit demselben Antigen sofort aktiviert werden und innerhalb weniger Stunden eine Immunreaktion auslösen
T-Zellen T-Helfer-Zellen koordinieren die Immunreaktion
T-Supressorzellen bremsen die Immunantwort, hemmen die Funktion von B-Zellen und anderen T-Zellen
T-Gedächtnis-Zellen können bei erneutem Kontakt mit demselben Antigen sofort aktiviert werden und innerhalb weniger Stunden eine Immunreaktion auslösen
Zytotoxische T-Zellen erkennen und zerstören von Viren befallene Körperzellen und Tumorzellen
Natürliche Killerzellen erkennen und zerstören von Viren befallene Körperzellen und Tumorzellen


Einflüsse auf das Immunsystem

Das Immunsystem ist eine komplexe Organisation verschiedener Komponenten und Barrieren. Um die Funktion dieser Komponenten zu gewährleisten ist eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen nötig.

Werden dem Körper essentielle Mineralstoffe, Vitamine und Aminosäuren etc. vorenthalten, kann es leicht zu Infektionen kommen. Mangel an Energie nimmt ebenfalls negativen Einfluss.

Ein Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen mindert nicht nur die Fähigkeit, Erreger abzuwehren sondern nimmt dem Körper auch die Möglichkeit, Schäden an Körpereigenen Zellen vorzubeugen und zu reparieren. So kann bei Proteinmangel die Immunfunktion nicht ausreichend aufrecht erhalten werden (Daly 1990), welche unter anderem auch für Vernichtung entarteter Zellen zuständig ist.

Verschiedene Wirkstoffe tragen zu einem funktionstüchtigen Immunsystem bei. Regelmäßige Bewegung sorgt für eine funktionierende Verdauung und guten Stoffwechsel, was für das Immunsystem sehr wichtig ist.

Dauerstress und Schlafmangel schaden dem Immunsystem.



Quellen

Daly JM, Reynolds J, Sigal RK, Shou J, Lieberman MD: Effect of dietary protein and amino acids on immune function. Crit Care Med 18 (1990) 86-93

Devereux, G. (2002): The Immune System: an Overview. In: Calder, P.C., Field, C.J. and Gills, H.S. (Hrsg.). Nutrition and Immune Funktion. CABI Publishing, New York, USA, S. 1-10

Der Körper des Menschen, Einführung in Bau und Funktion. 14. Ausgabe, Thieme Verlag

Uwe Gille: Herz-Kreislauf- und Abwehrsystem, Angiologia. In: F.-V. Salomon u. a. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke-Verlag Stuttgart, 2. Aufl. 2008, S. 404-463. ISBN 978-3-8304-1075-1

Wolfram G.: Therapie innerer Krankheiten, 2005, Sektion F, 851-857, DOI: 10.1007/3-540-26504-X_49