Pflanzen als Heilmittel


Frische Pflanzen spielen eine wichtige Rolle in der Ernährung der Kaninchen. Sie liefern lebenswichtige Nährstoffe, aber auch wichtige Wirkstoffe, welche der Gesundheit und Robustheit dienen. Frische Kräuter sollten täglich möglichst abwechslungsreich gefüttert werden. Näheres zur Ernährung sowie eine Futterliste findet sich hier.


Viele Kräuter und auch andere Pflanzen haben Heilwirkungen, welche gezielt bei Krankheit angewendet werden können, um das Kaninchen zu unterstützen. Kräutergabe ersetzt aber keinen Tierarzt und ist nur eine zusätzliche Option, welche mit dem behandelnden Tierarzt abgeklärt werden sollte.

Auch nutzen Kaninchen, die entsprechend versorgt werden, Kräuter zur Selbstmedikation. Dadurch bietet sich dem Halter eine Möglichkeit, näher zu erkennen, was dem Kaninchen fehlt.

Einige Kräuter können insbesondere für trächtige Weibchen problematisch sein. Genaueres zu den Nebenwirkungen findet sich auch auf der Kräuterliste.


Kapitel

Enzephalitozoonose

Magen-Darm-Trakt

Stärken des Immunsystems

Schnupfen

Zeigerpflanzen für Erkrankungen


Enzephalitozoonose

Thymian und ähnliche Kräuter sind für an E. cuniculi erkrankte Kaninchen nicht geeignet. Angewendet werden können Malven und Rosenblüten


Magen-Darm-Trakt

Die Funktion des Magen-Darm-Traktes spielt für das Kaninchen eine wesentliche Rolle. Neben der Spaltung und Aufnahme von Nährstoffen ist er ein ausschlaggebender Teil der Immunabwehr. Ein funktionierendes Verdauungssystem ist daher sehr wichtig. Ob Hilfe bei einem bereits erkrankten Tier oder vorbeugend z.B. bei Futterumstellungen, bestimmte Kräuter können in vielerlei Hinsicht hilfreich sein.

Eine Ernährung mit ausreichend frischen Kräutern und strukturiertes Grünfutter wirkt sich positiv auf den gesamten Verdauungstrakt aus.

Allgemein unterstützend wirken eine frische oder getrocknete Mischung aus Oregano, Majoran, Thymian und Basilikum. Hilfreich sind zudem Pastinaken und Fenchel. Äpfel und Karotten enthalten viele Pektine, welche nützliche Bakterien fördern. Dill regt die Darmperistaltik an.


Blähungen

Samen und Kraut (frisch und getrocknet) von

  • Anis
  • Dill
  • Kümmel
  • Schwarzkümmel
  • Fenchel
  • Koriander


Durchfall

  • Brombeerblätter
  • Getrocknete Heidelbeeren (Früchte)
  • Äpfel
  • Heusud
  • Fenchel
  • Kamillen-, Ringelblumen- oder Pfefferminztee. Nur kurz überbrühen und abkühlen lassen (Weber 2006), zusätzlich zum Trinkwasser anbieten.


Entzündungen

  • Darmtrakt: Pimpinelle, wirkt auf andere Kräuter unterstützend
  • Maul-Rachenraum: Salbei, Ringelblüte
  • Zähne: Gewürznelke


Verstopfungen

  • Rohfaserreiches Grünfutter
  • Leinsaamenschleim in einem Liter Wasser kurz aufkochen und ziehen lassen. Körner anschließend abseihen. (Weber 2006)


Parasiten

  • Bakterien: Oregano, Thymian, Majoran, Basilikum, Salbei, Wermut, Beifuß
  • Kokzidien: Oregano und Majoran (Braucht ca. ein bis zwei Wochen bis zur Wirkung)
  • Hefen: Ackerschachtelhalm, auch als Zinnkraut bekannt
    • Nicht gefüttert werden bei Hefen sollte: Mark der Möhrenwurzeln, Steckrübenwurzeln, Süßkartoffeln, Bohnensprossen, Jamswurzel, Kartoffeln, Kohlrabiknollen, Okrafrüchte, Pastinakenwurzeln, Seetang, Topinamburknollen und Topinamburkraut, sämtliche Wurzeln der Wegwartengewächse (Zichorienwurzel), Schwarzwurzeln
  • Viren: Odermenning, Salbei, Wermut, Beifuß
  • Würmer: Wurmfarn, Strahlenlose Kamille (Darmwürmer)


Stärken des Immunsystems

Eine effektive Immunabwehr verhindert, dass Krankheiten ausbrechen können. Ein starkes Immunsystem ist essentiell für die Genesung. Positiv auf das Immunsystem wirken:

    • Echinacea
    • Salbei
    • Wermut
    • Beifuss
    • Basilikum
    • Dill
    • Fenchel
    • Thymian
    • Majoran
    • Heusud: Hierfür wird Heu mit heißem Wasser übergossen und eine Weile ziehen gelassen.


Schnupfen

Unterstützend eingesetzt werde können frisch:

  • Thujonhaltigen Kräuter wie Beifuß, Salbei und Wermut (nie zuviel!)
  • Malvenarten
  • Pfefferminze
  • Beinwell
  • Hibiskus
  • Weide
  • Birke
  • Thymian
  • Brombeerblätter
  • Oregano
  • Majoran
  • Rosmarin
  • Kamillenarten
  • Wegericharten
  • Dill
  • Rose
  • Basilikum
  • Lindenblüte
  • Himbeerblätter
  • Wegwarte und ihre kultivierten Verwandten Endiviensalat und Chicoree
  • Fenchel
  • Mädesüß

Getrocknet:

  • Wermut
  • Beinwell
  • Lindenblüte
  • Birke
  • Brennessel

Holunderzweige können frisch geschnitten und für das Kaninchen nicht erreichbar befestigt werden. Die beim trocknen freigesetzten Aromastoffe wirken sich positiv auf die Atmung aus.


Zeigerpflanzen für Erkrankungen

Frisst ein Kaninchen vermehrt bzw. auffällig viel von einer bestimmten Pflanze/Pflanzengruppe kann dies ein Hinweis darauf sein, dass mit dem Kaninchen etwas nicht stimmt.

  • Oregano/Dhost: wie viel davon gefressen, ist dies oft ein zuverlässiger Anzeiger für mittelstarke bis starke Eimeriabesiedlung im Darm
  • Solaninhaltige Pflanzen, Wurmfarn: diverse Darmwürmer
  • Zwiebelgrün/Knoblauchgrün/Lauch/Schnittlauch: inneren Wundheilung, zur Kreislaufstabilisierung, bei bestimmten Arten von Darmentzündungen



Quellen

Kappler, W.: Pektine aus Obst und Gemüse – der natürliche Darmschutz, HANDELSBLATT, 2000

Science.ORF.at /APA/dpa (Stand 20.01.2010)

Weber Alois: Kaninchen: Homöopathie und Kräuteranwendung; Ennsthaler; Auflage: 3., Aufl. (November 2006)