Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD)


RHD ist eine Virusinfektion, welche 1984 erstmals in China beschrieben wurde. Sie ist daher auch unter dem Namen Chinaseuche bekannt. Sie ist wesentliche Ursache für den teilweise dramatischen Rückgang der Wildkaninchenpopulation insbesondere in Teilen Mitteleuropas (Hammer 2006).


Kapitel

Das Virus

Geschichte

Erkrankung

Impfung und Schutzmaßnahmen


Das Virus

Bei diesem Virus handelt es sich um ein Calcivirus mit etwa 40 Nanometer Durchmesser (Green et al. 2000). Haus- und Wildkaninchen können infiziert werden, ebenso Feldhasen. Für andere Säugetiere ist das Virus ungefährlich. Er kann bis zu 7 Monate überleben, verändert sich recht häufig und ist auch gegen Witterungseinflüsse immun.

Besonders Mitte Mai bis Oktober kommt es häufig zu Erkrankungen, seltener auch in den Wintermonaten. Die Mortalität (Sterblichkeit) beträgt 40 bis 90 % (Granzow et al. 1989). Klinische Symptome zeigen Kaninchen erst ab ca. 40 - 50 Lebenstagen (Teifke et al. 2002; Ferreira et al. 2004).


Die Übertragung erfolgt durch Vektoren wie Insekten/Vögel, Tröpfcheninfektion über die Luft, kontaminiertes Grünfutter, direkten Kontakt oder den Menschen (Morisse et al. 1991, Ohlinger et al. 1993, Cooke 2002). Die Krankheit kann sich schnell und epidemieartig ausbreiten.


Geschichte

1984: Die Krankheit wird erstmals in China bei Angorakaninchen beschrieben. Kurz darauf beobachtete man die RHD auch in Korea

1986: Erste Infektionen werden in Italien und Südeuropa gemeldet

1988: Russland, Afrika, Kuba, Mexiko, Indien. Erste Infektionen der Wildkaninchen in Spanien, kurz darauf in Frankreich

1990: Erstmals werden in Wildkaninchen in Deutschland Antikörper gegen RHD gefunden. Auftreten von Fällen in Skandinavien

1994: Erste Erkrankungen in England

1995: Ein Versuch wird unternommen, die Kaninchen in Australien mit dem Virus zu bekämpfen. Allerdings entwickelten sich dort Resistenzen, vermutlich durch eine "natürliche Impfung", einen abgeschwächten Virus, der nicht so pathogen ist und damit infizierte Kaninchen vor dem pathogeneren Virus geschützt sind.


Erkrankung

Die Inkubationszeit beträgt etwa 12 bis 72 h (Marcato et al. 1991). Die Mortalität beträgt 40 - 90 %. (Granzow et al. 1989). Nach verschiedenen Autoren erkranken Kaninchen bis zu einem Alter von etwa 10 Wochen nicht an RHD (Teifke et al. 2002; Ferreira et al. 2004).

Gekennzeichnet ist RHD durch einen perakuten bis akuten Krankheitsverlauf, subakute und chronische Formen treten selten auf (Teifke et al. 2002).


  • Perakuter Verlauf: Ohne vorherige Symptome bricht das Tier zusammen und erstickt unter Atemnotkrämpfen (der Kopf wird weit nach hinten gebogen, ein verzweifelter Reflex besser Luft zu bekommen), Blutaustritt aus den Nasenlöchern. Auch kann es zu Aufschreien des Tieres kann beobachtet werden.
  • Akuter Verlauf: Ca. 2 bis 4 Tagen nach der Infektion kommt es zu leichter Benommenheit, Atemnot /schwere Atmung, Unruhe, Fieber, Inappetenz oder auch blutigem Durchfall. Die Tiere verenden unter Erstickungskrämpfen mit Blutaustritt.
  • Milder Verlauf: Allgemeines Unwohlsein, Erholung nach einigen Tagen. Da Störungen des Allgemeinbefindens auf viele verschiedene Erkrankungen zutreffen, wird die RHD selten erkannt.


Kennzeichen der RHD sind Blutungen in Schleimhäuten, Serosen und zahlreichen Organen, sowie Leberveränderungen. Die Leber erscheint braun-gelblich, bis zu diffus dunkelrot, mit deutlicher Läppchenzeichnung. Auch die Milz ist geschwollen und meistens schwarz-rot gefärbt. Die Lunge kann fokal bis diffus dunkelrot gefärbt sein. Oft ist ein alveoläres Ödem zu finden (Xu und Chen 1989; Marcato et al. 1991; Ohlinger et al. 1993).

Eine Behandlung der Krankheit ist derzeit nicht möglich. RHD ist weder anzeige- noch meldepflichtig.


Impfung und Schutzmaßnahmen

Impfung

In Deutschland und Österreich ist eine Impfung möglich. Eine Immunisierung hält etwa 6 Monate (Huang 1991) bis 12 Monate (Arguelleo Villares 1991; Anon 2004) an. Geimpft werden können Kaninchen erst ab einem Alter von sechs Wochen (Hammer 2006). Nachkommen bereits immunisierter Weibchen sollten ab der 12 Lebenswoche geimpft werden. (Selbitz und Moos 2003).

Hauptartikel: Impfung


Weitere Schutzmaßnahmen

  • Schutz vor Insekten (Z.B. Fliegengitter, Klebestreifen)
  • Einhaltung von Quarantänezeiten neuer Tiere
  • Vermeidung von Grünfutter aus gefährdeten Gebieten (infizierte Wildkaninchen)
  • Hygiene im Stall, um Fliegen fernzuhalten
  • Regelmäßiger Gesundheitscheck
  • Ein Kontakt zwischen Wild- und Hauskaninchen sollte vermieden werden
  • Eine vernünftige Haltung, Versorgung und Ernährung sorgen für ein gesundes Immunsystem und für bestmöglichen Schutz vor Erkrankungen!



Quellen

Anon. (2004): OIE Manual of Diagnostic Test and Vaccines for Terrestrial Animals. 5th Edition

Arguello Villares J.L. (1991) Viral haemorrhagic disease of rabbits: vaccination and immune response. Rev.Sci.Tech. 10, 459-480

Cooke B.D. (2002) Rabbit haemorrhagic disease: field epidemiology and the management of wild rabbit populations. Rev.Sci.Tech. 21, 347-358

Ewringmann, A.; Leitsymptome beim Kaninchen: diagnostischer Leitfaden und Therapie; Stuttgart, Enke, 2005; 284 S; (Konkret-Kleintier-Praxisbuch); ISBN 3-8304-1020-4

Ferreira P.G., Costa-E-Silva, MonteiroO E., Oliveira M.J. & Aguas A.P. (2004) Transient decrease in blood heterophils and sustained liver damage caused by calicivirus infection of young rabbits that are naturally resistant to rabbit haemorrhagic disease. Res.Vet.Sci. 76, 83-94

Granzow, H., H. Schirrmeier und H. Tews (1989): Hämorrhagische Septikämie der Kaninchen - Erregernachweis und erste elektronenmikroskopische Charakterisierung. Mh.Vet.Med. 4, 379-380

Green K.Y., Ando T., Balayan M.S., Bereke T., Clarke I.N., Estes M.K., Matson D.O., Nakata S., Neill J.D., Studdert M.J. & Thiel H.J. (2000) Taxonomy of the caliciviruses. J.Infect.Dis. 181 Suppl 2: S322-30., S322-S330

Hammer M. (2006): Expression des Hauptstrukturproteins des Rabbit Haemorrhagic Disease Virus in transgenen Pflanzen: Untersuchungen zur Antigenität und Immunogenität, Hannover

Huang H.B. (1991): Vaccination against and immune response to viral haemorrhagic disease of rabbits: a review of research in the People's Republic of China. Rev.Sci.Tech. 10, 481-498.

Lange, B.: RHD - Immunprophylaxe mit dem Riemser Absorbatimpfstoff RIKA-VACC; 8. Arbeitstagung über Haltung und Krankheiten der Kaninchen, Pelztiere und Heimtiere der Fachgruppe Kleintierkrankheiten der DVG (Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft e. V.), 20 - 21. Okt. 1993 in Celle, RTAM; Riemser Tierarzneimittel GmvH, Riemserort

Liu, S. J., H. P. Xue, B. Q. Pu und N. H. Quian (1984): A new viral disease in rabbits. Animal Husbanday and Veterinary Medicine 16, 253-255

Marcato P.S., BenazziC., Vecchi G., Galeotti M., Della S.L., Sarli G. & Lucidi P. (1991) Clinical and pathological features of viral haemorrhagic disease of rabbits and the European brown hare syndrome. Rev.Sci.Tech. 10, 371-392

Morisse J.P., Le Gall G. & Boilletot E. (1991) Hepatitis of viral origin in Leporidae: introduction and aetiological hypotheses. Rev.Sci.Tech. 10, 269-310

Ohlinger V.F., Haas B. & Thiel H.J. (1993) Rabbit hemorrhagic disease (RHD): characterization of the causative calicivirus. Vet.Res. 24, 103-116

Parra F. & Prieto M. (1990) Purification and characterization of a calicivirus as the causative agent of a lethal hemorrhagic disease in rabbits. J.Virol. 64, 4013-4015

RHD Schutzimpfung - IDT-Info für Züchter und Halter von Kaninchen vom IDT Impfstoffwerk Dessau-Tornau GmbH in Roßlau

Rainer Holubek: Geschlossene Impfdecke schützt vor Myxomatose und RHD. In: Kaninchenzeitung 5/2008

Selbitz H.J. und Moos M. 2003: Tierärztliche Impfpraxis, Stuttgart, Enke, ISBN-10: 3830410565

Teifke J.P., Reimann I. & Schirrmeier H. (2002) Subacute liver necrosis after experimental infection with rabbit haemorrhagic disease virus (RHDV). J.Comp Pathol. 126, 231-234

Xu Z.J. & Chen W.X. (1989) Viral haemorrhagic disease in rabbits: a review. Vet.Res.Commun. 13, 205-212