Der Verdauungstrakt eines Kaninchens ist empfindlich. Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes kommen bei Kaninchen relativ häufig vor (Rheker 2001) und viele Krankheiten finden ihren Ursprung in Problemen, die mit dem Verdauungssystem zusammenhängen.
Aufgrund der großen Oberfläche der Darmschleimhaut verfügt diese über 7080 % aller Zellen, die Antikörper produzieren. Damit spielt der Darm eine der wichtige Rolle für das Immunsystem.
Häufige Gründe für Verdauungsstörungen sind Zahnerkrankungen oder Fütterungsfehler. Möglich sind bakterielle Infektionen, Viren und verschiedene Parasiten.
Kapitel
Beschaffenheit und Zusammensetzung des Futters
Kot und Ernährung
Hilfe bei Verdauungsbeschwerden
Beschaffenheit und Zusammensetzung des Futters
Die Struktur und chemische Zusammensetzung des Futters spielt eine entscheidende Rolle für den Verdauungstrakt.
Beschaffenheit
Die natürliche Nahrung der Kaninchen ist reich an Struktur und Fasern. Die Verdauung ist allerdings nicht drauf ausgelegt, Zellulose mit höchster Effizienz zu verwerten, sondern aus der faserreichen Nahrung die leichter verdaulichen Stoffe zu extrahieren (Hörnicke 1984). Hierbei wird die Nahrung am Blinddarm getrennt, gröbere Partikel (300 μm und größer) werden relativ schnell in das Kolon weitertransportiert. Kleinere Partikel und Flüssigkeit werden hingegen längere Zeit im Blinddarm zurückgehalten (Björnhag 1972).
Dadurch spielt die strukturelle Beschaffenheit des Futters eine wesentliche Rolle. Eine feine Vermahlung des Futters verlangsamt die Magen-Darm-Passage und zieht eine längere Verweildauer im Blinddarm nach sich (Laplace und Lebas 1977).
Eine längere Verweildauer des Futters im Darm zieht zwar eine höhere Verdaulichkeit nach sich, aber auch funktionelle Störungen der Verdauung und das Risiko zu Durchfällen (Proto 1968, Laplace und Lebas 1977).
Zusammensetzung
Auch die Zusammensetzung des Futters beeinflusst die Verdauung erheblich. Die Magen-Darm-Passe wird durch die Fütterung hochverdaulicher Nahrung beeinträchtigt.
Der Anteil an Rohfaser und Stärke im Futter beeinflusst die Produktion von Fettsäuren der Blinddarmgesellschaft. Dominierend im Blinddarm sind Essig-, Propion- und Buttersäure. (Parker und Mcmillan 1976). Dabei hat die Buttersäure eine hemmende Wirkung auf die physiologische Peristaltik des Blinddarms, wodurch Risiko einer Entzündung steigt. An zu geringer Anteil (<6,1%) an Rohfaser in pelletiertem Futter (Susmel und Lanari 1977) oder eine zu stärkereiche Ration (Herrmann 1989) führt zu einem Anstieg der Buttersäure im Darm.
Aber auch eine Ration bestehend aus viel Faser und wenig Stärke kann sich negativ auf die Darmgesundheit auswirken. Ein reiches Angebot an fermentierbaren Kohlenhydraten sorgt dafür, dass der pH-Wert im Caecum absinkt, wodurch Clostridien sich nicht vermehren können. Ein hoher Anteil an unverdaulicher Faser und wenig Stärke bedingt einen steigenden pH-Wert und durch den Rückgang der N-fixierenden Bakterien einen Anstieg des Gehalts an Ammoniak. (Wenger 1997)
Ein hoher Gehalt an Stärke in pelletierten Futtermitteln beeinflusst Reduzierung der Anzahl gramnegativer Bakterien im Blinddarm (Hermann 1989).
Auch der Anteil an Proteinen ist entscheidend. Kaninchen sind in der Lage, auch mit schlechteren Proteinqualitäten zurechtzukommen (Lang 1981). Durch mikrobiellen Proteinsynthese im Blinddarm und Bildung von Aminosäuren in der Blinddarmwand (Marty und Raynaud 1963) können Kaninchen mit Proteinen versorgt werden. Bei einem Mangel werden im Blut vorhandene Harnstoff in den Blinddarm sezerniert und dort zu Ammoniak und Kohlendioxid abgebaut (Fekete 1991). Das Ammoniak wird anschließen von den Bakterien verwertet, um mikrobiell Protein zu bilden. (Robinson et al. 1986).
Nährstoffe enthalten ihre biologische Wirkung im Körper immer im Zusammenspiel mit und in Abhängigkeit von anderen Nährstoffen (Schmidt). Daher spielt nicht nur einzelne Inhaltsstoffe eine wichtige Rolle, sondern die Gesamtzusammensetzung.
Fazit
Die Zusammensetzung des Futters und seine Beschaffenheit beeinflussen also die Passagezeit des Futters, die Darmflora und die Entstehung verschiedener Stoffe im Darmtrakt. Dabei hängen die verschiedenen Faktoren miteinander zusammen und können nicht einzeln betrachtet werden.
Die Wahl des richtigen Futtermittels trägt somit wesentlich zur Gesunderhaltung und Gesundung eines Tieres bei.
Kot und Ernährung
Der Kot eines Tieres sagt einiges über seine Ernährung aus. Der unverdauliche Teil des Futters wird wieder ausgeschieden. Auf falsches oder verunreinigtes Futter reagiert der Körper mit Durchfall, um die Schadstoffe oder Erreger schnell aus dem Organismus zu befördern.
Unterschieden wird zwischen dem normalen Kot, dem Hartkot und dem Weichkot, der aus dem Blinddarm stammt.
| Normalkot
(Hartkot)
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Der Kot eines Wildkaninchens ist recht dunkel, klein bis mittelgroß und weich. Der Kot eines gut ernährten Hauskaninchens sollte ebenso aussehen. |
| Köttel eines Wildkaninchens |
| Heukot
(Hartkot)
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- Bild folgt - |
Bei hauptsächlicher Ernährung mit Heu ist der Kot des Kaninchens sehr hell und groß, da viele unverdauliche Bestandteile enthalten sind. |
| Heukot |
| Verstopfungskot
(Hartkot)
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Kleiner, tropfenförmiger, kantiger Kot ist ein Hinweis auf Verstopfungen. Die Kotkugeln sind sehr hart und eckig. Ein Tierarztbesuch sowie eine Überprüfung der Ernährung ist dringend anzuraten.
Kleiner Kot kommt auch dann vor, wenn die Kaninchen trockene, gut verdauliche Nahrung zu sich nehmen.
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| Verstopfungskot (links), Normalkot (rechts) |
| Blinddarmkot
(Weichkot)
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Der Blinddarmkot stammt wie der Name schon vermuten lässt, aus dem Blinddarm. Normalerweise wird er von Kaninchen direkt wieder aufgenommen. Es handelt sich um kleine, dunkle, weiche und traubenförmig aneinander gelagerte Kotkugeln, welche mis einer muskösen Schicht überzogen sind, welche nach der Aufnahme vor der Magensäure schützt. Wird viel Blinddarmkot liegengelassen, kann dies ein Hinweis auf Verdauungsstörung sein. Ursache kann eine Ernährungsumstellung sein (nach einigen Tagen sollte es wieder in Ordnung sein), häufig sind aber auch Parasiten, insbesondere Kokzidien.
Wird viel Eiweiß gefüttert, wird Blinddarmkot matschiger.
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| Blinddarmkot eines Hauskanininchens |
| Blinddarmkot
(Weichkot)
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Blinddarmkot kann in verschiedener Form auftreten. Diese Form des abgebildeten Blinddarmkotes tritt nach eigener Beobachtung vor allem bei der Anfütterung von Zwiebelgewächsen auf. |
| Blinddarmkot eines Hauskaninchens |
| Köttelketten
(Hartkot)
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Nimmt ein Kaninchen beim putzen viel Haare auf, weil es z.B. im Fellwechsel ist, können dadurch Köttelketten entstehen. Die nicht verdauten Haare lassen die Kotkugeln zusammenhängen. Es kann passieren, dass diese Haare nicht ausgeschieden werden und zu Verstopfungen führen. Daher ist es wichtig, die Kaninchen zu beobachten und gegebenenfalls zu reagieren. |
| Köttelkette eines Hauskaninchens |
| Matschkot
(Hartkot)
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Matschkot ist eine Vorstufe zum Durchfall und kann bei ungewohntem Futter oder falscher Ernährung entstehen. Die Köttel sind sehr weich. Matschköttel lassen sich sehr leicht zerdrücken und kleben oft am Fell fest. Besonders häufig treten sie bei Kaninchen auf, die mit handelsüblichem Trockenfutter ernährt werden. Matschkot entsteht, wenn der Dickdarm gestört wird, der Wasserhaushalt nicht mehr richtig reguliert wird und dadurch Wasser nicht mehr ausreichend entzogen werden kann. In manchen solcher Fällen kann auch der Blinddarmkot extreme Abweichungen zeigen. |
| Zwischenstufe zwischen Matschkot und Durchfall bei einem Hauskaninchen |
| Durchfall
(Hartkot)
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-Bild folgt- |
Durchfall kann durch viele verschiedene Faktoren bedingt sein. Anzeichen könnnen z.B. sein: kotverklebte/nasse Anogenitalregion, Störung des Allgemeinbefindens, aufgetriebenes schmerzhaftes Abdomen. Der Kot ist wässrig und meistens sehr hell. Es sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden. |
| Durchfall |
Hilfe bei Verdauungsbeschwerden
Bei ernsthaften Problemen ist immer ein Tierarzt aufzusuchen. Da Verdauungsbeschwerden unterschiedliche Ursachen haben können, ist eine zusätzliche Unterstützung immer mit dem behandelnden Tierarzt abzusprechen.
Weitere Informationen zum Einsatz verschiedener Pflanzen/Pflanzenteile bei Erkrankungen: Artikel Heilpflanzen
Blähungen
Blähungen beruhen häufig auf einer falschen Ernährung. Daher sollte die Ernährung des Kaninchens überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Die Fütterung sollte möglichst gleichmäßig erfolgen.
An Kräutern können Basilikum, Brennessel, Majoran, Oregano, Thymian, Dill, Lavendel, Melisse, Petersilie, Pfefferminze, Schnittlauch, Wermut, Liebstöckel und andere verträgliche Kräuter gefüttert werden. Zusätzlich können Dill-, Fenchel-, Anissamen und Kümmel angeboten werden.
Durchfall
Eine Heu- und Wasserdiät bei Durchfall ist nicht zu empfehlen. Diese wird den Bedürfnissen der Tiere nicht gerecht. Ziel ist es, die Darmflora zu stabilisieren, die Darmschleimhaut zu regenerieren und angesammelte mikrobielle Stoffwechselprodukte abzubauen.
Unterstützende Fütterungsmaßnahmen bei Diarrhoe nach Anja Ewringmann (2005):
- hochwertiges Heu: Rohfaser wichtig zur Unterstützung physiologischer Fermentationsvorgänge
- bei akut wässrigem Durchfall aufgeschlossenes Getreide: Energielieferant
- Möhren und Gemüse: Reich an Zellulose und Pektinen. Liefern leicht, aber langsam fermentierbare Kohlenhydrate. Dadurch ausreichende Energieversorgung der Schleimhaut
- Bananen: Schleimhautschutz
- Strukturiertes Grünfutter (z.B. Möhrengrün und Kräuter)
- Haferkleie: Binden laxierend wirkende Gallensäuren
Kaninchen mit Durchfallerkrankungen müssen täglich genau untersucht werden. Es besteht Gefahr durch Befall mit Fliegenmaden.
An Kräutern sind besonders Magen-Darm-Kräuter/Pflanzen wie Oregano, Majoran, Thymian und Basilikum geeignet. Auch Löwenzahn, Gänsefingerkraut, echte Kamille, Brombeerblätter und Pfefferminze können angeboten werden.
Zusätzlich zum Wasser (nicht anstatt) kann zudem ein Tee aus geeigneten Magen-Darm-Kräutern angeboten werden.
Quellen
Björnhag, G. (1972): Separation and delay of contents in the rabbit colon Swed. J. Agri. Res. 2, 125 136
Ewringmann, A.; Leitsymptome beim Kaninchen: diagnostischer Leitfaden und Therapie; Stuttgart, Enke, 2005; 284 S; (Konkret-Kleintier-Praxisbuch); ISBN 3-8304-1020-4
Fekete, S. (1991): Neuere Erkenntnisse über die Verdauungsphysiologie des Kaninchens, Übers. Tierern. 19, 1 - 22
Herrmann, A. (1989): Untersuchungen über die Zusammensetzung des Chymus im Magen-Darm-Kanal von Jungkaninchen in Abhängigkeit vom Rohfaser- und Stärkegehalt des Futters, Hannover, Tierärztl. Hochschule, Diss.
Hörnicke, H. (1984): Neuere Ergebnisse zur Physiologie des Dickdarms bei Kaninchen I. Morphologie, Passagezeiten, Mikrobiologie, Wasser und Elektrolyte Übers. Tierern. 12, 215 250
Lang, J. (1981): The nutrition of the commercial rabbit, Part 1: Physiology, digestibility and nutrient requirements, Nutrition Abstracts and Reviews - Series B Vol. 51, No. 4, 197 - 225, Ministry of Agriculture, Fisheries and Wood, Wolverhampton, England
Laplace, J.P. and Lebas, F. (1977): Digestive transit in the rabbit, 7. Effects of grinding fineness of the feed ingredients before pelleting, Ann. Zootech. 26, 413 - 420
Marty, J. und Raynaud, P. (1963): Research on the role of the caecal wall in the metabolism of amino acids, Arch. Sci. Physiol. 17, 413 - 420
Parker, D.S. and Mcmillan, R.T. (1976): The determination of volatile fatty acids in the caecum of the conscious rabbit, Brit. J. Nutr. 35, 365 - 371
Proto, V. (1968): La coprofagia del coniglio sottoposto a differenti diete, Prod. Anim. 7, 157 - 171
Rheker I. (2001): Untersuchungen zur Bedeutung der Heimtiere in der tierärztlichen Fortbildung in Bezug zur Entwicklung des Heimtieranteils am Gesamtaufkommen der Patienten der Klinik für kleine Haustiere, der Klinik für Zier- und Wildvögel sowie der Klinik für Fischkrankheiten der Tierärztlichen Hochschule Hannover
Robinson, K.L., Cheeke, P.R., Mathius, I.W. and Patton, N.M. (1986): Effects of age and cecotrophy on urea utilisation by rabbits, J. Appl. Rabbit Res. 9, 76 - 79
Schmidt, E.: Unterschied zwischen natürlichen und synthetischen Vitaminen
Susmel, P. and Lanari, D. (1977): Variations in volatile fatty acid levels in the rabbit caecum, Rivista de zoot. e Vet. 3, 282 - 288
Wenger, A. (1997): Vergleichende Untersuchungen zur Aufnahme und Verdaulichkeit verschiedener rohfaserreicher Rationen und Futtermittel bei Zwergkaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla. Hannover: Tierärztl. Hochsch. Diss.