Gehegegröße


    Kaninchen benötigen Lauffläche, um sich zu bewegen, gesund und fit zu bleiben. Auch ist ausreichend Platz nötig, um das Gehege ausreichend zu strukturiere.

    Bewegung ist nötig, um Muskeln und Sehen zu trainieren. Gerade bei jungen Kaninchen darf dieser Aspekt nicht vergessen werden. Weiterhin dient Bewegung dem Stressabbau und ist notwendig, um Kreislauf, Immunsystem und Verdauungssystem in Schwung zu halten.


    Haltungsempfehlungen

    Tatsächlicher Platzbedarf


    Haltungsempfehlungen

    Die nötige Größe des Geheges ist ein umstrittenes Thema. Es gibt unterschiedliche Maßangaben.


    Auszug aus der Haltungsempfehlungen des TVT für herkömmliche, intensive Kaninchenhaltung:

    "Jede Haltung muss so beschaffen sein, dass von ihr keine Gefahr für Leben und Gesundheit der Tiere ausgeht und dass artgemäßes Verhaltensweisen möglich sind. Folgende arttypische Körperpositionen müssen möglich sein:

    • ausgestreckte Seiten- und Bauchlage
    • Aufrichten auf die Hinterläufe
    • Hoppeln
    • Haken schlagen

    Die Fläche der Haltungseinheit untergliedert sich in die Funktionsbereiche Bewegung und Ruhen sowie absetzten von Kot und Harn. Bei Häsinnen mit Wurf kommt noch ein Nestbereicht hinzu."


    Für die in Heimhaltung gehaltenen kleinen Rassen in Innenhaltung gibt der TVT ein Mindestmaß von 150 cm x 60 cm x 50 cm (B x T x H). Für Außenhaltung eine Mindestgrundfläche von 2 bis 3 m² inklusiver einer wetterfesten, isolierten Hütte.


    Der ZDRK (Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter e.V.) gibt folgendes an:

    Fläche (cm²)
    Höhe (cm) auf mind. 70% der Fläche
    > 5.5 kg

    große Rassen

    8.800

    (B x T 110 x 80 cm)

    70
    > 3.25 kg

    mittelgroße Rassen

    6.800

    (B x T 85 x 80 cm)

    60
    > 2.0 kg

    kleine Rassen

    5.250

    (Bx T 70x75 cm)

    60
    < 2.0 kg

    Zwergrassen

    4.500

    (B x T 65 x 70 cm)

    50


    Inzwischen findet man auf vielen Seite Angaben von 2m² pro Kaninchen. Ursprünglich stammt diese Zahl aus den (inzwischen nicht mehr aktuellen) Richtlinien von Bioland für die Auslauffläche bzw. für den Grünauslauf bei Jungkaninchen. Die Flächenangaben beruhen vermutlich mit auf dem Management der Fläche und nicht (nur) auf dem Bewegungs-/Platzbedürfnis.


    Die VU-Wien empfiehlt für eine Gruppe von bis zu 5 Wildkaninchen eine Mindestgrundfläche von 20m², für jedes weitere Tier weitere 10% der Fläche.

    In der ÖNORM (Österreichisches Normungsinstitut) wird für Kaninchen mit einem Körpergewicht bis zu 4 kg eine Bodenfläche von mindestens 3.500 cm² pro Tier empfohlen. Die besatz-unabhängige Mindestfläche der Unterkunft soll mindestens 7.000 cm² betragen, was z.B. einer Grundfläche von 140 cm x 50 cm entspricht. Der Käfig soll so hoch sein, dass sich das größte Tier im Käfig ungehindert aufrichten kann und die Tiere in der Lage sind, die zweite Ebene (z.B. das Flachdach eines Häuschens) als Liegefläche zu nutzen.


    Im Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren (10. Juni 1996) werden für Wildkaninchen Käfige von 3-5m² empfohlen.

    In den Leitlinien für eine tierschutzgerechte Haltung von Wild in Gehegen findet man zu Haustierhaltung bei Kaninchengehegen eine Flächenabgabe von 6m², maximal mit 5 Tieren zu besetzten.

    Nach Schley (1985) sollte Kaninchen in Gehegen pro Tier 3 bis 5 m² Fläche zur Verfügung stehen.


    Die Angaben zur nötigen Gehegegröße sind also sehr unterschiedlich. Wieviel Platz ein Kaninchen tatsächlich braucht ist abhängig von seinem individuellen Charakter und der Zusammenstellung der Gruppen, der Gestaltung und Strukturierung des Geheges und der zusätzlichen Auslaufzeit/Fläche.

    Zu groß kann ein Gehege nicht sein, zu klein sind jedoch viele. Mehrere m² sollten den Kaninchen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Mind. 1 m Länge und Breite (unabhängig vom Gesamtmaß) sind zu empfehlen, damit die Tiere sich ausreichend Abstand halten können.

    Beobachtet man Kaninchen in Konfliktsituationen wird man allerdings schnell feststellen, dass die unterlegenen Tiere 5-10 Meter Platz brauchen, um in solchen Situationen ausweichen zu können.


    Tatsächlicher Platzbedarf

    Aspekte, die bezüglich des Platzbedarfs von Kaninchen zu berücksichtigen sind:

    Artgemäße Bewegungsabläufe wie hoppeln, Haken schlagen, aufrichten und ausgestrecktes liegen müssen ermöglicht werden. Insbesondere für größere Sprünge benötigen die Tiere mehrere m² sowie eine ausreichende Höhe des Geheges. Auch Sprintstrecken sind dabei nötig, um schnellere Bewegungen und damit auch Stressabbau zu ermöglichen.

    Neben ausreichend Freiraum muss die Größe des Geheges auch eine ausreichende Gestaltung ermöglichen, sowie ausreichend Rückzugsmöglichkeiten bzw. Fläche zum Ausweichen bieten.

    Auf engem Raum sowie in verwinkelten Wohnungen kommt es vergleichsweise häufig zu Konflikten, die unter anderen Umständen, nämlich mit ausreichend übersichtlicher Fläche, überhaupt nicht entstehen würden. Wer Kaninchen beobachtet, welche ausreichend Platz haben, wird feststellen, dass die Tiere bereits auf relativ große Distanzen aufeinander reagieren und miteinander agieren. Fehlt weit reichende freie Fläche sind die Kaninchen in ihrer Kommunikation daher sehr eingeschränkt, wodurch sozialer Stress entsteht und die Tiere untereinander weitaus aggressiver werden.

    Ein weiterer Punkt, der für den Platzbedarf eines Kaninchens ausschlaggebend ist, ist die Revierbildung. Während im Winter, außerhalb der Paarungszeit, die Kaninchen relativ friedlich sind, beginnt im Frühjahr die Paarungszeit und damit auch die Revierbildung. Ranghohe Tiere halten dabei den Kern des Reviers, rangniedrige müssen sich auf den ungünstigeren Außenbereich beschränken. Je nach Gruppe und Biotop kann das Revier einer Gruppe ca. 500-4000m² betragen. Daraus wird ersichtlich, wie schwierig die Situation für rangniedrige Kaninchen in kleinen Gehegen sein kann. Sie haben keine Möglichkeit, den „Wünschen“ der Ranghöheren zu entsprechen, was wiederum Konfliktsituationen fördert.

    Individualdistanzen sind ein weiterer wichtiger Aspekt. Eine Individualdistanz ist die Entfernung zwischen zwei Tieren, die noch ohne Ausweichen oder Angriff geduldet wird. Kaninchen sind oft sehr Kontaktfreudig, liegen gerne beisammen. Allerdings ist dies bei wenigen Tieren rund um die Uhr der Fall. Häufig beobachtet man auch Kaninchen, die für sich liegen. Je nach Kaninchen und Umständen ist die Distanz, in denen in solchen Situationen auf eine Artgenossen reagiert wird sehr unterschiedlich, kann aber durchaus mal mehrere Meter betragen. Ist das Gehege nicht weiträumig genug, wird ein ruhendes Tier daher häufig gestört, was zusätzlich Konfliktsituationen fördern und insbesondere für rangniedrige Tiere ein Entspannen nicht möglich macht.




    Quellen

    Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. - Kaninchen (Stand Juli 2010)

    Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. - Kaninchenhaltung; Merkblatt Nr. 78; 2000

    Schlolaut, W. (Hrsg) in Zusammenarbeit mit Lange, K.; Das große Buch vom Kaninchen; 3., erw. Aufl.; Frankfurt am Main; DLG-Verl., 2003; 488 S.; ISBN 3-7690-0592-9

    Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren (10. Juni 1996)

    Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Leitlinien für eine tierschutzgerechte Haltung von Wild in Gehegen (10. Juni 1996)

    Bioland e.V. Verband für organisch-biologischen Landbau: Bioland Richtlinien: 23. April 2001

    Schley P.: Kaninchen. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1985