Weibliche Kaninchen haben einen natürlichen Zyklus. Dieser ist nicht mit z.B. dem von Hunden zu vergleichen, die immer nur zu bestimmten Zeiten empfängnisbereit sind, aber durchaus vorhanden.
Der Eisprung selbst wird beim Kaninchen durch bestimmten Reize, in der Regel dem Deckakt, ausgelöst. Kommt es nicht zu Befruchtung, kann das Kaninchen scheinschwanger werden. Das Kaninchen verhält sich dann wie ein trächtiges Weibchen. Fellrupfen und sehr aggressives Verhalten können vorkommen, beim Nestbau wird das Nest im Gegensatz zum Nestbau bei hitzigen Weibchen versteckt angelegt und erst in den letzten Tagen mit Bauchhaaren ausgepolstert. Ein relativ sicheres Zeichen ist ein Anschwellen der Zitzen und Milchdrüsen. Eine Scheinschwangerschaft dauert bei Kaninchen im allgemeinen 14 - 18 Tage.
Ist ein Weibchen häufig scheinschwanger, sollte ein kaninchenerfahrener Tierarzt aufgesucht werden und das Tier auf Gebärmutterveränderungen untersucht werden.
Die Zeit der Paarungsbereitschaft des Weibchens bezeichnet man als Hitze. Die Abstände und Ausprägung der Hitze sind unterschiedlich. Angaben zum Abstand variieren von 7 bis 17 Tagen. Verschiedene Reize nehmen Einfluss auf das Fortpflanzungsverhalten und können die Hitze der Weibchen auslösen.
So kann Kontakt mit einem Rammler (in vielen Fällen auch mit Kastraten bei Vergesellschaftungen) eine Hitze auslösen. Auch Temperatur und Lichteinflüssen spielen eine Rolle. So werden Kaninchen in Außenhaltung im Winter häufig nicht hitzig, im Frühjahr hingegen kann die Hitze sehr ausgeprägt sein (da natürlicher Beginn der Paarungszeit). Gesundheitliche Probleme treten gehäuft bei Weibchen in Innenhaltung auf, da diesen die Winterpause fehlt. Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Bei einer zu energiereiche Ernährung werden auch Kaninchen in Außenhaltung im Winter hitzig. Ein weiterer Faktor ist die Position des Weibchens innerhalb der Gruppe. Ranghöhere Kaninchen können früher hitzig werden als rangniedrigere.
Hitzige Weibchen werden häufig unruhig und aggressiv, rammeln vermehrt ihre Partner um diesen zum Deckakt zu ermuntern, bedrängen andere Kaninchen (Kopfunterschieben), markieren vermehrt, bauen Nester etc.. Der Nestbau erfolgt sehr unkoordiniert (Es wird gebuddelt, gerupft, Nistmaterial herumgeschleppt...) und oft sehr offensichtlich, das Nest wird nicht versteckt angelegt. Bei den meisten (aber nicht immer) weiblichen Kaninchen ist die Hitze am Anschwellen und an der Verfärbung der Schamlippen zu erkennen. Die Dauer beträgt ca. 5 - 16 Tage und ist länger, falls keine Rammler anwesend sind.
Quellen
Boback, Alfred W.; Das Wildkaninchen: (Oryctolagus cuniculus (Linné, 1758); 2., unveränd. Aufl.; Nachdr. der 1. Aufl., Wittenberg Lutherstadt, Ziemsen, 1970; Hohenwarsleben; Westarp-Wiss.-Verl.-Ges.; 2004; (Die neue Brehm-Bücherei; 415); ISBN 3-89432-791-X
Schlolaut, W. (Hrsg) in Zusammenarbeit mit Lange, K.; Das große Buch vom Kaninchen; 3., erw. Aufl.; Frankfurt am Main; DLG-Verl., 2003; 488 S.; ISBN 3-7690-0592-9