Stress
Stress ist eine psychische und physische Reaktionen eines Organismus auf einen Reiz. Hierbei kann es sich sowohl um einen äußeren als auch um einen inneren Reiz handeln. Beispiele sind Kälte, eine Infektion, psychische oder physische Belastung. Einwirkungen, die Stress hervorrufen, werden als Stressoren bezeichnet. Sowohl positive als auch negative, schädliche Einwirkungen können Stress bedingen.
Wird der Stress als unangenehm empfunden wird oder mit einem Schaden für den Organismus verbunden ist, bezeichnet man dies als Disstress. Stress wird dabei dann zum Disstress, wenn die Stressantwort so viele Energierücklagen benötigt, dass andere biologische Funktionen des Körpers beeinflusst oder nicht mehr adäquat ausgeführt werden. Im Gegensatz zu dem negativ erlebten Disstress steht der positiv bewertete Eustress.
Unterschieden wird zudem zwischen akutem und chronischem Stress. Beide können Disstress verursachen.
Die Stressantwort kann nach Niederhöfer (2009) in drei Phasen eingeteilt werden:
- erkennen des Stressors
- biologische Abwehr des Stressors
- Situation innerhalb des Organismus als Konsequenz aus der Stressantwort
Die Empfindung und Verarbeitung von Stressoren geschieht über eine Kaskade von biologischen Mechanismen. Zuerst werden Reize über das sensorische System registriert, über neurale Signale in das Zentrales Nervensystem weitergeleitet und dort entsprechende Anpassungsreaktionen bezüglich der Belastung veranlasst. Es gibt verschiedene Wege der Stressantwort, wobei zwei dominieren:
- Sympatho-Adrenomedulläre-System: Kommunikation zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Nebennierenmark. Es werden Catecholamine, wie Adrenalin, ausgeschüttet --> kurzfristige Reaktion auf Belastungen; FFS (Fight and Flight Syndrome); Herzfrequenz und Blutdruck steigen an und versetzten den Organismus wird in die Lage, dem Stressor mit Kampf oder durch Flucht zu begegnen
- Hypothalamo-Hypophysen-Nebennierenrinden-Systems: Ausschüttung von Glucocorticosteroiden durch eine Stimulation des Hypophysenhormons ACTH --> längerfristige Anpassungsreaktion; AAS (Allgemeines-Anpassungs-Syndrom). Da keine Kontrolle des Stressors möglich ist, reagiert das Tier mit Frustration und Depression und reduziert sein aktives Verhalten.
Welcher der Wege aktiviert wird hängt von der Situation, genetischen Dispositionen, früheren Erlebnissen und allgemeinen individuellen Fähigkeiten ab.
Folgen von Stress
Disstress hat einen generellen negativen Einfluss auf das Immunsystem und das Wohlbefinden der Tiere. Häufiger oder dauerhafter Disstress kann zu Magenulzerationen, kardiovaskulären Krankheiten, verzögertem Wachstum, Fortpflanzungs- und Verhaltensstörungen und zur Schwächung des Immunsystems führen (Niederhöfer 2009).
Eustress wirkt sich steigernd auf das Immunsystem aus (Tuchscherer und Manteuffel 2000).
Lebensqualität und Stress
Kurze Belastungen einhergehend mit ausreichend Ruhepausen sind nicht nur gesundheitlich unbedenklich, sondern auch wünschenswert. Eustress erhöht die Aufmerksamkeit und fördert die maximale Leistungsfähigkeit des Körpers. Auch bei häufigem, langfristigem Auftreten wirkt sich Eustress positiv auf die psychische oder physische Funktionsfähigkeit eines Organismus aus.
Ein gewisses Maß an Stress, z.B. soziale Auseinandersetzung, „Arbeit“ zur Futterbeschaffung, Duftmarken von Feinden o.ä. gehören zum Alltag eines Tieres und erhöhen die Lebensqualität, solange der Stress zu bewältigen ist (Zulkifli und Siegel 1995), also das Tier Lösungen für ein Problem finden kann. Gerade bei Jungtiere erhöht eine komplexe, anspruchsvollere, aber zu bewältigende Umwelt spätere Belastbarkeit und Lernfähigkeit.
Stressbewältigung bei Kaninchen
Eine erfolgreiche Stressbewältigung hat psychophysiologisch durchaus positive Auswirkungen auf den Organismus. Die Haltung von Kaninchen muss daher darauf ausgerichtet sein, den Tieren die Bewältigung von Stress und eine ausreichende Reaktion auf Stressoren zu ermöglichen.
Dazu zählen unter anderem:
- Rückzugsmöglichkeiten für rangniedrige Tiere
- Sichere Unterschlüpfe vor möglichen Beutegreifern (auch in ausreichend sicheren Volieren)
- Witterungsschutz
- Bewegungsmöglichkeit/Laufstrecken
- Buddelmöglichkeiten, insbesondere für hitzige Weibchen
- Ausreichende Versorgung mit Nähr- und Wirkstoffen
Quellen
Birger Puppe: Stressbewältigung und Wohlbefinden - verhaltensphysiologische Ansatzpunkte einer Gesundheitssicherung bei Tieren; Aus dem Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere Dummerstorf; Arch. Tierz., Dummerstorf 46 (2003) Sonderheft, 52-56
Niederhöfer, S.: Stressbelastung bei Pferden in Abhängigkeit des Haltungssystems, Hannover 2009
Gansloßer, Dr. Udo; „Enrichment“ Tierbeschäftigung nicht nur im Zoo
Tuchscherer M., Manteuffel G. (2000): Die Wirkung von psychischem Streß auf das Immunsystem. Ein weiterer Grund für tiergerechte Haltung. Aus dem Forschungsinslilut ftlr die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN), Dummerstorf