Wie leben Kaninchen in freier Natur?


Biotope

Wildkaninchen haben bestimmte Bedürfnisse und stellen bestimmte Ansprüche an ihren Lebensraum. Als Steppenbewohner bevorzugt es trocknen Boden und trockenes Klima, gegen Feuchtigkeit und Wind ist es empfindlich.

Wildkaninchen meiden höhere Gebirge und schwere, feuchte Böden. Vermutlich, da hier das Graben von Bauten problematisch ist und der Boden zu kalt bzw. zu feucht. Genauso gemieden wird Flugsand, da der Boden eine gewisse Bindigkeit und Bearbeitbarkeit zum anlegen der Bauten aufweisen sollte.

Geschlossene Wälder meiden Kaninchen in der Regel, besiedeln aber bevorzugt die Randgebiete. Auch schwere Ackerböden eigenen sich nicht zu Besiedlung. Schwere Lehmböden werden nur genutzt, wenn das Gelände von Schluchten durchzogen wird.

Bevorzugt wird ein welliges, leicht hügeliges Gelände mit Sandboden, Kräutern und lückigem Gebüsch oder trockene, lückige Kiefernkuluturen und -dickungen, bessonders wenn diese an Wiesen und Feldern grenzen. Gerne siedeln Kaninchen auch auf Friedhöfen

Bäume, Hecken und weite, naturbelassene Wiesenflächen mit vielen ursprünglichen Gräsern und Kräutern bieten wilden Kaninchen einen idealen Lebensraum. Stimmt das Angebot an Nahrung und die Beschaffenheit des Bodens, findet man wilde Kaninchen auch auf weit offenen Flächen.


Bauten

Kaninchen legen in der Regel Bauten an. Unter besondern Umständen kann es aber darauf verzichten. Bevorzugt werden aber Gebiete, in denen Baue angelegt werden können. Sind diese Reviere besetzt, weichen Kaninchen auch in Gelände aus, die weniger geeignet für Baue sind, aber andere Möglichkeiten bieten Z.B. in Holzlagern zwischen Bretterstapeln oder unter gestapelten Eisenbahnschwellen finden die Tiere Unterschlupf.

Die Wohnbauten werden an sonnigen Stellen, Hügeln, Wällen, Dämmen, Flussufern etc. angelegt. Besteht die Möglichkeiten, werden die Eingäng verdeckt angelegt. Jeder Wohnbau enthät einen Kessel und mehrere gewinkelte Röhren. Meistens finden sich mehrere Eingänge.

Die Gesamtlänge der Gänge kann bis zu 45 m erreichen.


Soziales

Kaninchen sind soziallebende Tiere. Sie bilden Kolonien, wobei Hunderte in enger Nachbarschaft hausen können. Eine Kolonie umfasst ausgedehnte Wohnbauten. Im Spätsommer und Herbst finden sich auch vermehrt einzeln lebende Tiere.

Innerhalb einer Kolonie bilden Kaninchen kleine Gruppen von 3 bis 10 Tieren. Die Gruppen bestehen aus männlichen und weiblichen Tieren verschiedenen Alters. Jede dieser Gruppen besitzt ein eigenes Territorium mit Erdhöhle. Graben ist eine Gemeinschaftsleistung der Alttiere. Nach Stolte (1950) beginnt die Grabtätigkeit mit der Geschlechtsreife.

Im allgemeinen ist das Verhalten der Kaninchen friedlich, Kämpfe kommen weniger vor. Kaninchen leben in geschlechtsgebundenen Rangordnungen, ein Rammler herrscht über die anderen Rammler und eine Zibbe über die Weibchen. Die Kolonie wird von dem "Platzrammler" regiert, ein zweitranghöchster Rammler kann sich als desses Satellit betätigen.

Das typische Verhalten des Platzrammler ist das Abpatroullieren des Geländes. Er beansprucht jede Häsin zuerst für sich und kontrolliert alles.

In der neutralen Zeit, in der die Hoden der Rammler zurückgebildet sind, leben auch dominierende Rammler zusammen. Im Januar beginnen die Territoriumskämpfe.


Territorien

Die Wechsel dehnen sich allgemein auf etwa 500 m, selten bis 600 m aus. Ein Kaninchenweibchen benötigt nach Brüll (1958) je nach Biotop eine Äsungsfläche von 2ha bis 100m². Im Herbst sind Kaninchen oft viel weiter von ihrem Bauten entfernt.

Kaninchen sind ausgesprochen Ortstreu. Versuche von Niethammer, Kaninchen in bestimmten Entfernung zu ihrem Wohngebiet auszusetzten zeigten, dass sie bei einter Entfernung von 600m noch zurückwanderten. Bei 1100 m blieben die Tiere am neuen Ort.

Innerhalb ihrer Territorien legen Kaninchen Wechsel an, die sich über mehrere Meter erstrecken. Markiert wird das Revier mittels Kot, Urin und Drüsensekreten, welche von den Tieren verteilt werden. Durch Scharren werden die Duftmarken besser ersichtlich gemacht.