Kaninchen in verschiedenen Biotopen


Kaninchen sind über weite Teile der Welt verbreitet. Sie finden sich in verschiedenen Biotopen. Obwohl sie sich als anpassungsfähig erweisen, brauchen sie doch gewisse Grundlagen um zu überleben. In Gegenden, in denen lange sehr viel Schnee liegt, können sie Beispielsweise nicht überdauern. Auch in sehr trockenen Gebieten wie Wüstenregionen kommen sie praktisch nicht vor.

Viele Populationen wilder Kaninchen waren eine Plage und haben Flora und Fauna verändert. In einigen Gebieten jedoch tragen sie ihren Teil zur Erhaltung bei, sind wichtige Beute für Raubtiere oder sorgen für ein weiter bestehen der Landschaft. Inzwischen gehen die Populationen in vielen Gebieten zurück.


Spanien

Spanien ist eines der Ursprungsgebiete der wilden Kaninchen. Die Bestände sind jedoch durch Bejagung, Landwirtschaft und Seuchen rückläufig. Zum Schutz des Pardelluchses, dessen Hauptbeute wilde Kaninchen sind, hat die spanische Regierung Maßnahmen zur Stabilisierung der auch aus anderen Gründen abnehmenden Kaninchenbestände in Angriff genommen.

Wesentlich für die Verbreitung des Kaninchens war das Abbrennen von verbuschtem Land um kleine landwirtschaftlich genutzte Flächen anzulegen. Wird diese traditionelle Landnutzung aufgegeben verbuscht das Land und bietet dem Kaninchen weniger Lebensraum. Auch die sich parallel entwickelnde intensivere Landwirtschaft bietet den Tieren kaum Lebensraum.

Impressionen aus einem Lebensraum wilder Kaninchen in Spanien im Dezember. Bau eines wilden Kaninchens
Vielen Dank an "Namenlose" aus dem Tierforum


Afrika

In Afrika finden sich wilde Kaninchen in Marokko, im Nordwesten Algerien und auf einigen Inseln.

In Marokko finden sich nordwestlich des Gebirges überwiegt der mediterrane Bewuchs, südöstlich davon die Wüstensteppe. Geschlossene Waldbestände mit Stein- und Korkeichen, Thujen, Atlaszedern und Aleppokiefern finden sich noch in den regenreichen Gebirgszonen und den westlichen Ebenen.

Algerien hat ein mediterranes Klima im Norden, im Süden extrem trockenes Wüstenklima. In der Küstenregion und der ausreichend beregneten Nordseite des Tellatlas finden sich mediterrane Sträucher wie Macchie, Aleppo-Kiefern, Korkeichen und Steineichen. Im Hochland der Schotts dominieren Steppen mit Alfagras und Wermutgewächsen. Die Küstenregionen sind fruchtbar und werden zum Anbau von Getreide, Datteln, Zitrusfrüchte und Oliven genutzt. Eine ausgeprägte Vegetation gibt es zur Zeit der Regenfälle. Der Süden ist aufgrund seiner Beschaffenheit als Lebensraum für Wildkaninchen ungeeignet.


Südamerika

Bereits im 18. Jahrhundert versuchte man, Kaninchen in Chile anzusiedeln, allerdings erfolglos. Auf Inseln wie der lsla Grande hingegen finden sich verwilderte domestizierte Kaninchen seit 1936, obwohl es auf kleineren Inseln im Beagle Channel seit 1880 zu finden ist. Auf Isla Grande wuchs die Zahl der Kaninchen schnell an, nach 17 Jahren waren es etwa 30 Millionen Kaninchen. Innerhalb von 3 Jahren wurde die Population 1953 durch den aus Deutschland eingeschleppten Myxomatosevirus um 97% verkleinert. Heute findet man Kaninchen im zentralen und südlichen Teil von Isla Grande.

Zwischen 1943 und 1950 wanderten Kaninchen in Argentinien ein und verbreiteten sich 15-20 km/pro Jahr. 1984 bevölkerten wilde Kaninchen 45000 km2, trotz der Verbreitung des Myxomatosevirus zwischen 1971 und 1972 in Argentinien. Aus Zentralchile finden sich Berichte aus dem Jahr 1960 über Vorkommen von Kaninchen bis 1500m über dem Meeresspiegel. 1967 fand man sie von 32'S bis 38'S.

Vegetation einer Insel im Beagle-Kanal
Urheber: Heretiq , Quelle
In Chile findet man Kaninchen im eher südlichen Teil des Landes. Im Zentralen Teil herrscht ein warmgemäßigtes Klima, mittleren Jahrestemperaturen von 13 bis 15°C und Niederschlägen bis zu 2000 mm im Jahr. Die Flora dort setzt sich zusammen aus verschiedensten Wäldern, Sträuchern und Grassteppen. Im Süden schließt sich ein kühlgemäßigtes, immerfeuchtes Klima (Jahresmittel 12°C) mit ganzjährigen Niederschlägen von bis zu 1000 mm an. Anschließend ein kühlgemäßigtes Klima (Jahrestemperaturmittel 6 bis 8°C), das nach Süden zu in subpolares Klima übergeht. Die dort vorherrschende Vegetation ist subantarktischer Regenwald mit immergrünen Südbuchen, weiter nordwärts wachsen immergrüne Laub- und Nadelwälder mit Araukarien.

Isla Grande liegt in der kühlgemäßigten Zone mit maritimem Klima auf der südlichen Hemisphäre. Die Flora besteht hauptsächlich aus Moose, Flechten sowie einige mit der Alpenflora verwandte, etwas höheren Pflanzen und Zwergsträuchern. Die Artenvielfalt ist relativ gering. Im zentralen Teil finden sich hauptsächlich sommergrüne Wälder, welche von der Südbuche dominiert werden.


Australien

Im 19. Jahrhundert wurden Kaninchen in Australien (1859) ausgesetzt. 24 Kaninchen wurden für den Jagdsport importiert, doch bald verlor man die Kontrolle über den Bestand. In nur 50 Jahren nahmen sie ein Gebiet ein, das größer ist als halb Europa. In knapp 100 Jahren gab es mehrere Milliarden Kaninchen. Die Folgen für die einheimische Flora und Fauna waren erheblich.

Um ihren Vormarsch aufzuhalten, kam es zum Bau des berühmten "Rabbit Proof Fence", ein Zaun, der sich 1.830 Kilometer durch den Bundesstaat Western Australia zog. Aber auch dieser konnte die Kaninchen nicht aufhalten. Schließlich versuchte man mittels Viren die Kaninchen auszurotten. Erst mithilfe des Myxomatosevirus, der erste Versuch 1941 scheiterte allerdings. Ein weiterer Versuch 1952 rottete in einzelnen Gebieten bis zu 99,8 % der Kaninchen aus. Der Bestand erholte sich jedoch. 1995 versuchte man den RHD-Virus gegen die Kaninchen einzusetzen. Bis 2003 war die Kaninchenzahl in vielen trockeneren Gegenden Australiens durch RHD um 85 Prozent oder mehr zurückgegangen. In anderen, feuchteren Gebieten hingegen entwickelten sich Resistenzen.


Vorkommen auf Inseln

Immer wieder wurden Kaninchen auf Inseln ausgesetzt um eine Ernährungsgrundlage für Schiffbrüchige zu schaffen. Hierbei zeigen die Kaninchen erstaunliche Anpassungsfähigkeiten. Auffällig ist hierbei, dass sich solche Populationen durch eine geringer Körpergröße der einzelnen Tiere auszeichnen.


Kerguelen
Urheber: B.navez , Quelle
Kerguelen

So wurden im 19. Jahrhundert auf der der Antarktis benachbarten Kerguelen-Inselgruppe Kaninchen ausgesetzt. Nachdem die Tiere ihre bevorzugte Nahrung, den Kerguelenkohl fast ausgerottet hatten, lebt es vornehmlich von angeschwemmten Tang.

Das Klima ist kalt und windig, die Vegetation eher spärlich und tundrenartig. Die ungünstigen klimatischen Bedingungen verhindern jegliches Baum- und Strauchwachstum. In niedrigeren Lagen finden sich hauptsächlich dichte, niedrige Grasflächen, in höheren Lagen mit Moosen und Flechten bedeckte Tuffsedimentflächen.


Porto Santo
Urheber: Malte, Quelle
Porto-Santo

Ein bekanntes Beispiel für ausgesetzte Hauskaninchen findet sich auf Porto-Santo. Porto Santo gehört zur Inselgruppe Madeira und ist portugiesische Insel im Atlantik. Sie ist etwa elf Kilometer lang und nicht mehr als sechs Kilometer breit.

1419 warf eine trächtige Häsin auf einem Schiff und wurde samt Nachwuchs auf der Insel ausgesetzt. Heute sind diese Kaninchen verwildert und wiegen etwa 500g. Sie sind äußert aggressiv und wild.

Früher prägten vielen Drachenbäumen sowie viel Wacholder und Baumheide das Landschaftsbild. Starke Rodungen haben dazu geführt, dass Porto Santo heute weitgehend baumlos ist. Trotz Wiederaufforstungsprojekten wirkt dies Insel recht kahl, was unter anderem auch an dem sehr trockenen Klima liegt.


Hauptinsel Helgoland (vorne) und die Insel Düne im Luftbild
Urheber: Pegasus, Quelle
Helgoland

1597 wurden Kaninchen in Helgoland angesiedelt und 1866 wieder ausgerottet. 1962 konnten wieder Wildkaninchen auf der Hauptinsel beobachtet werden. Trotz steigender Zahl konnten von Vauk (1965) keine Schäden durch Schädigung der Helgoländer Flora (Wildkohl und Wildrüben) festgestellt werden, auch Befürchtungen der Förderung der Erosion durch angelegte Bauten wurden nicht bestätigt. Vauk stellte bei den Kaninchen eine erstaunliche Kletterfähigkeit fest.

2006 starben große Teile der Population durch RHD und Myxomatose. 2010 wurden auf der Hauptinsel keine, auf der Düne wenige Kaninchen beobachtet.

Das Klima ist ein typisches Hochseeklima mit ganzjährigen Niederschlägen und nur geringen tageszeitlichen Temperaturschwankungen.

Kaninchenbau im Sand auf der Düne Habitat der Helgoländer Kaninchen mit einer der bevorzugten Futterpflanzen - Sanddorn Scharrstellen


Memmert

Eine unbewohnte Nordseeinsel südwestlich von Juist und östlich von Borkum an der Osterems in Ostfriesland. 1930 wurden Hauskaninchen ausgesetzt und sind genotypisch völlig "Stallhasen" geblieben, wie Kreuzungsversuche zeigen. Die zeitweise hohe Populationsdichte hat vermutlicht einen nachhaltigen Einfluss auf die Dünenentwicklung gehabt.

Gekennzeichnet ist die Landschaft durch Dünen, trockene Grasflächen und hochwassergeschützte Bereiche mit kleinflächigen, inseltypischen Gebüschen (Holunder, Sanddorn, Kriechweide) und anderen Gehölzen. Die Flora umfasst etwas 145 Arten (Oltmanns u. Thannheiser 1996).

Blick auf Memmert von Nordwesten
Urheber: Marvin 101, Quelle


Leuchtturm Noordertoren auf Schiermonnikoog
Urheber: Patlo@mail.com, Quelle
Westfriesischen Inseln

Auch auf den meisten Wattenmeerinsel wurde das Wildkaninchen eingebürgert. In fast allen Dünengebieten waren wilde Kaninchen sehr häufig, ihre Zahl hat aber in den letzten zehn Jahren durch Krankheiten stark abgenommen. Während man sie früher als Schädlinge betrachtete, weiß man inzwischen über ihren Nutzen für die Natur.

Inzwischen sind die wilden Kaninchen auf einigen Inseln so gut wie ausgestorben. Beispielsweise auf Schiermonnikoog. Als Folge davon verlieren Brandgänse ihre Brutplätze, da sie in alten Kaninchenbauten nisteten. Auch verbuschen die Dünen, da die Kaninchen die jungen Sprosse nicht mehr kurz halten. Auch auf Texel ist deutlich zu sehen, dass Kaninchen fehlen. Die Heide versteppt, da es zu wenig Kaninchen gibt, welche das Gras kurz halten.



Quellen

Thompson, H. V.; King, C. M. (Eds.); The European Rabbit - The history and biology of a successful colonizer; Oxford University Press; Oxford, New York, Toronto; 1994; ISBN 0-19-857611-0

Oltmanns, B.: Thannheiser, D. (1996): Vegetation der Insel Memmert unter besonderer Berücksichtigung der Veränderungen der letzten 16 Jahre. - Vechtaer Studien zur angewandten Geographie und Regionalwissenschaft 18: 65-75.

Robert Hofrichter, Elke Berger: Der Luchs – Rückkehr auf leisen Pfoten. Leopold Stocker Verlag, Graz 2004. ISBN 3-7020-1041-6