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Verhalten
Aktivitätsverhalten Zum Aktivitätsverhalten von Kaninchen zählen Beispielweise Bewegung, Futteraufnahme, Hartkotausschiedung, Wasseraufnahme und Urinausscheidung. Stark abhängig ist dieses Verhalten von Jahreszeit, Futterangebot, Klima, Populationsdichte, Mondlicht, Tempertatur, Wind, Regen, sozialen Status, Trächtigkeit, Geschlecht, Alter und vorkommen von Räubern. In sehr kalten Nächten halten sich die eigentlich Nacht- und Dämmerungsaktiven Tiere zeitweise auch im Bau auf. Die Hauptaktivitätszeit liegt in den frühen Abendstunden und der Morgendämmerung. Bei Helligkeit halten sich die Tiere kaum im Freien auf.
Sozialverhalten Gruppengröße Kaninchen bilden unter natürlichen Bedingungen große Kolonien, wobei Hunderte in enger Nachbarschaft leben können. Innerhalb dieser großen Gruppen finden sich Kleingruppen von 3 bis 10 Tieren, welche eine soziale Einheit bilden, die ein Territorium mit Erdhöhle verteidigt. Häsinnenreviere umfassen normalerweise zwischen 2 und vier Häsinnen, im Extremfall aber auch eine bis sechs Häsinnen. Rammlerreviere umfassen gewöhnlicherweise ein bis zwei Rammler, selten können sie jedoch auch vier Rammler umfassen.
Rangordnung Innerhalb der Gruppe herrscht eine strikte Rangordnung. Diese ist jeweils geschlechtsgebunden, an der Spitze der männlichen Tiere steht ein Rammler, eine Häsin beherrscht die anderen Weibchen. Das Alphamännchen wacht dabei über die Kolonie, der zweithöchste Rammler betätigt sich als dessen Satellit. Wird der ranghöchste Rammler entfernt, kommt es unter den anderen männlichen Tieren zu heftigen Kämpfen. Bei Weibchen sind diese Kämpfe weniger heftig. Die Wiedereingliederung eines ehemals ranghohen Tier kann sich daher sehr schwierig gestalten, vor allem bei männlichen Tieren. Rangniedrige Kaninchen dürfen sich nur in bestimmten Teilen des Gebietes aufhalten und ziehen ihre Jungen, im Gegensatz zur dominanten Zibbe, nicht im Wohnbau, sondern entfernt auf. Fremde Kaninchen werden von allen feindlich behandelt und vom ranghöchsten Rammler heftig attaktiert.
Konfliktverhalten Im allgemeinen verhalten sich die Kaninchen untereinander friedlich. Kämpfe kommen weniger vor. In der neutralen Zeit sind die Hoden der Rammler zurückgebildet und auch dominante Rammler leben friedlich zusamen. Im Januar beginnen die Territoriumskämpfe. Angriffsverhalten: aus dem Stand erfolgt ein blitzschneller Angriff, zuschlagen mit gestreckten Vorderläufen oder Ansprung mit Zuschlagen. Rammler liefern sich in der Paarungszeit oftsmals Tuniere. Sie sitzen sich im Abstand von etwa einem Meter gegenüber und begegnen sich in der Luft, wobei sie sich meistens nicht berühren, manchmal aber auch zusammenprallen. Das Verhalten wird oftmals wiederholt. Es findet kein Pfotenschlag statt, zwischendurch erfolgt oft ein Üersprungsäsen. Junge springen oft für sich alleine. Oftmals finden zwischen den Tieren auch Spritzkämpfe statt, in denen das andere Tier mit Harn bespitzt wird. Dieser hat eine unangenehme chemische Zusammensetzung.
Komfortverhalten Das Komfortverhalten wird gerne an geschützten Plätzen ausgeübt. Zu diesem Verhalten zählen Strecken, Gähnen, Putzen, Schütteln und Wälzen oder auch Interaktionen zwischen den Tieren. Kaninchen suchen gerne Kontakt zu Artgenossen. Kontaktliegen und gegenseitige Fellpflege lassen sich häufig beobachten, besonders unter sich nahestehenden Tieren. Vor allem ranghohe Tiere fordern Artgenossen durch tiefgelegten Kopf mit angelegten Ohren zur Fellpflege auf.
Fortpflanzungsverhalten In unseren Breiten beginnt die Rammelzeit im Februar-März. Das Paarungsverhalten teilt man nach Southern (1939) ein in:
Sowie mit der Rammelzeit zusammenhängende Angriffsverhaltensweisen
Ist das Weibchen richtig hitzig, können die Paarungsspiele auch wegfallen. Während der Trächtigkeit verweitert das Weibchen dem Rammler jede Annäherung. Gegen Ende lässt sie wieder eine Begattung zu.
Jungenaufzucht In den meisten Fällen legt das Weibchen abseits der Wohnröhre einen Satzbau an. Nur die dominante Häsin, die allein regelmäßig und häufig gebärt, zieht ihre Jungen im Wohnbau bzw. in besonderen Erweiterungen auf. Rangniedrigere Weibchen bauen ihre Satzröhren 10 bis 40 m entfernt. Die Häsin setzt im Durchschnitt 5 bis 6 Junge. Diese sind typische Nesthocker und öffnen die Augen erst nach 10 Tagen. Die Satzröhre wird vom Weibchen saubergehalten. Ehe das Weibchen zur Satzröhre kommt, versichert sie sich mehrmals, dass keine Gefahr droht. Beim Verlassen wird der Bau wieder zugescharrt In der vierten Lebenswoche verlassen die Jungkaninchen zur Dämmerungszeit erstmals den Bau.
Selektion - Futterwahl Jedes Lebewesen in freier Natur benötigt Nährstoffe, um zu überleben. Um den Bedarf an Nährstoffe zu decken, haben Organismen unterschiedliche Strategien entwickelt. Kaninchen als Tiere sind heterotroph, sie beziehen Kohlenstoff aus bereits synthetisierten organischen Verbindungen. Auch viele andere Nährstoffe sind essentiell, sie werden nicht selbst hergestellt, sondern mit der Nahrung aufgenommen.
Dem Kaninchen als Hebivore stehen insbesondere im Frühjahr und Sommer eine Vielzahl an unterschiedlichen Pflanzen zur Verfügung, aus denen es wählen kann. Nicht alle dieser Pflanzen liefern nur wichtige Stoffe, einige können schädlich und sogar tödlich sein. Bei seiner Futtersuche muss ein Kaninchen seine Futterpflanzen so wählen, dass es weder zu einer Unterversorgung an wichtigen Nährstoffen noch zu einer Überversorgung mit schädlichen Substanzen kommt. Jede Substanz kann ab einer gewissen Menge tödlich werden. In geringen Mengen können sie gleichsam lebenswichtig und/oder gesundheitsfördernd sein. Daher lassen sich Pflanzen nicht klar in giftig und ungiftig einteilen.
Die Fähigkeit zur Wahl der richtigen Futterpflanzen sind teilweise angeboren, größtenteils jedoch erlernt. Bereits in der pränatalen Zeit erworbene Geschmackspräferenzen werden dabei später durch eigene Erfahrungen verfeinert. So werden Futtercharakteristika wie Geruch, Geschmack, Textur mit der physiologischen Wirkung verknüpft und stabile, langanhaltende und sinnvolle Nahrungsgewohnheiten gebildet. Für Jungtiere spielt auch das Vorbild der Elterntiere sowie die Muttermilch eine wichtige Rolle beim erlernen des Selektionsverhaltens. Unbekanntes Futter wird von Kaninchen mit einem Probebiss getestet. Folgen daraufhin negative Reaktionen (Unwohlsein, Bauchschmerzen...) wird das Futter in Zukunft gemieden. Dieses Prinzip erweißt sich als äußert effektiv, so dass Kaninchen auch in Habitaten mit unbekannten Futterpflanzen überlebensfähig bleiben. Allerdings kann es problematisch werden, wenn das Gift eine Langzeitwirkung entwickelt, die Giftmenge in der Pflanzen schwankt oder unterschiedliche Futtermittel in Wechselwirkung miteinander treten.
Ruheverhalten Hauptsächlich ruhen Wildkaninchen in ihren Bauen, manchmal auch außerhalb des Baues an geschützten, Übersichtgewährenden Orten. Einige Wildkaninchen scharren sich eine Mulden, in der sie Ruhen können. Während des Ruheverhaltens kann es zu sozialen Kontakten kommen. Mögliche Positionen sind:
Bei der geringsten Unruhe können die Wildkaninchen flüchten und sind daher im offenen Gelände immer vorsichtig. Tiefschlafphasen dauern nur wenige Sekunden bis Minuten.
Quellen Boback, Alfred W.; Das Wildkaninchen: (Oryctolagus cuniculus (Linné, 1758); 2., unveränd. Aufl.; Nachdr. der 1. Aufl., Wittenberg Lutherstadt, Ziemsen, 1970; Hohenwarsleben; Westarp-Wiss.-Verl.-Ges.; 2004; (Die neue Brehm-Bücherei; 415); ISBN 3-89432-791-X Holst et al.: Social rank, fecundity and lifetime reproductive success in wild European rabbits (Oryctolagus cuniculus), Behav Ecol Sociobiol (2002) 51:245254, DOI 10.1007/s00265-001-0427-1 SELZER, D.; LANGE, K.; HOY, St. (2001b): Ruhe- und Aktivverhalten von Hauskaninchen unter Beachtung von Haltungsbedingungen und Tageszeit. Proc. 12. Arbeitstagung über Haltung und Krankheiten der Kaninchen, Pelztiere und Heimtiere, 09./10.05.2001 in Celle, 258 - 265 Selzer, D.: Vergleichende Untersuchungen zum Verhalten von Wild- und Hauskaninchen unter verschiedenen Haltungsbedingungen. Diss. Univ. Gießen (2000) Hoy, S.: Freilandhaltung von Kaninchen unter Verhaltens- und Gesundheitsaspekten, 2009 Mitsch, U. : Untersuchungen zu extensiv bewirtschaftetem Ansaat- und Dauergrünland unter Beweidung durch Ochsen und Färsen Schwerpunkt: selektive Futteraufnahme , Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 2009
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