Das Wildkaninchen


Klasse Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung Euarchontoglires
Ordnung Hasenartige (Lagomorpha)
Familie Hasen (Leporidae)
Gattung Oryctolagus
Art Wildkaninchen
Wissenschaftlicher Name

Oryctolagus cuniculus (Linnaeus 1758)

Systematik des Wildkaninchens

Das Wildkaninchen zählt genauso wie der Feldhase zur Familie der Hasen (Leporidae). Die Familie wird in zwei Unterfamilien mit elf Gattungen und rund 55 Arten unterteilt.

  • Unterfamilie Palaeolaginae
    • Ryukyu-Kaninchen (Pentalagus furnessi)
    • Buschmannhase (Bunolagus monticularis)
    • Rotkaninchen (Pronolagus) mit 3 Arten
  • Unterfamilie Leporinae
    • Streifenkaninchen (Nesolagus) mit 2 Arten
    • Vulkankaninchen (Romerolagus diazi)
    • Zwergkaninchen (Brachylagus idahoensis) - Nicht zu verwechseln mit der Rasse der Zwergkaninchen, welche zu den Hauskaninchen zählt
    • Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus) mit 13 Arten
    • Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)
    • Buschkaninchen (Poelagus marjorita)
    • Borstenkaninchen (Caprolagus hispidus)
    • Echte Hasen (Lepus) mit rund 30 Arten





Körperbau

Die Körperlänge eines wilden Kaninchens beträgt etwa 40-45 cm, wobei die Blume etwa 5-6 cm lang ist. Die Körperhöhe beträgt 6-8 cm. Das Durchschnittsgewicht liegt bei erwachsenen Tieren zwischen 1,5 und 2 kg. Die Stehohren sind etwa 7-8 cm lang und kürzer als der Kopf .

Das Haarkleid ist an der Oberseite wesentlich mit grauen und schwarzen Tönungen, wobei es nach hinten dunkler wird und an den Seite heller. Am Kopf finden sich rotgelbe Farben. Bauch, Kehle und Innenseite der Läufe sind hellgrau bis weiß. An Hals und Nacken finden sich graue, gelbe und rostrote Töne. Die oberen Ränder von Löffel und Blume sind schwarz, die Unterseite der Blume ist weiß. Die Augen sind von einem schmalen, weißen Ring umgeben. Die Färbung insgesamt kann je nach Gebiet mehr gelblich oder mehr gräulich sein.

Bei wilden Kaninchen, insbesondere jenen Populationen, die außerhalb des Ursprungsgebietes vorkommen finden sich häufig Farbabweichungen. Es finden sich blaue, schwarze, fuchsrote und weiße Tiere, sowie Schecken. Schwarze Kaninchen können mancherorts gehäuft vorkommen.

Näheres zur Anatomie von Kaninchen hier: Anatomie und Leistung

Skelett eines Wildkaninchens


Verbreitung

Vor der Eiszeit lebten Wildkaninchen über weite Teile Nordafrikas und Europa verbreitet. Vermutlich wanderte es im Jungtertiär von Asien her nach Europa ein. Ende des Pliozäns und zu Beginn des Diluviums war es in Europa weit verbreitet, wie Funde aus dieser Zeit zeigen. Das Eis verdrängte die Wildkaninchen im Dilivium aus den nördlichen Teilen. Später fand man sie nur noch auf der Iberischen Halbinsel und im westlichen Nordafrika. Dies war das Verbreitungsgebiet, als Phönizier am Ende des 2 Jahrhunderts v. Chr. die Wildkaninchen in Spanien entdeckten. Sie verwechselten die Tiere allerdings mit den Klippschliefern aus Kleinasien und nannten das entdeckte Land „I-saphan-In“, Insel der Klippschliefer. Die Römer übersetzten dies in „Hispania“.

Von Spanien aus besiedelten Wildkaninchen später wieder Südfrankreich.

In den spätern Jahrhunderten verbreiteten die Römer das Kaninchen rund um das Mittelmeer, so u.a. auch auf die Balearen und nach Korsika. Die Kaninchen dienten als Frischfleischlieferanten und Jagdobjekte.

Heute findet man das Wildkaninchen bzw. verwilderte Kaninchen in ganz Europa, ausgenommen Skandinavien, Island und Finnland. Auch in Südafrika, Nord- und Südamerika wurde es eingeführt. Allerdings steht fest, dass einige der heutigen Vorkommen von Wildkaninchen auf das Aussetzten mehr oder weniger domestizierter Kaninchen zurückgeht.


Wildkaninchen in Australien
Urheber: Fir0002; Quelle


Wildkaninchen in Deutschland?

Zu Beginn des Mittelalters hat es im Gegensatz zu Frankreich in Deutschland und England weder zahme noch wilde Kaninchen gegeben. 1149 hat man die erstem Belege für Kaninchen in Deutschland, die damals von einem französischen Abt an das Benediktinerkloster Corvey an der Weser übergeben wurden.

Vermutlich gelangten zahme Kaninchen vor den wilden Vertretern nach Deutschland. Erste öffentliche Aussetzungen gab es auf Inseln (z.B. Amrum). In Deutschen Ländern wurden vermutlich im 16.Jahrhundert unter Landgraf Moritz Kaninchen eingebürgert.

Anhand der Unterschiede der Anpassungsfähigkeit sowie der Varietät der Fellfarben zwischen in Deutschlang lebenden wilden Kaninchen und denen in Spanien lebenden Tieren lässt sich vermuten, dass hier lebende Tiere genetisch auf mehr oder weniger domestizierte Kaninchen zurückgehen. Es handelt sich vermutlich also nicht um Wildkaninchen, sondern um verwilderte Hauskaninchen oder Hybriden (Kreuzungen aus Haus- und Wildkaninchen).



Quellen

Boback, Alfred W.; Das Wildkaninchen: (Oryctolagus cuniculus (Linné, 1758); 2., unveränd. Aufl.; Nachdr. der 1. Aufl., Wittenberg Lutherstadt, Ziemsen, 1970; Hohenwarsleben; Westarp-Wiss.-Verl.-Ges.; 2004; (Die neue Brehm-Bücherei; 415); ISBN 3-89432-791-X

Schlolaut, W. (Hrsg) in Zusammenarbeit mit Lange, K.; Das große Buch vom Kaninchen; 3., erw. Aufl.; Frankfurt am Main; DLG-Verl., 2003; 488 S.; ISBN 3-7690-0592-9

Holl, W.: Vorkommen von wilden Kaninchen ab 16. Jahrhundert, Zeitschrift für Jagdwissenschaft 11/1971, Seite 181-183, Springer Berlin / Heidelberg