Wiesen und Weiden


Die Hauptnahrung von Kaninchen besteht aus Kräutern und Gräsern. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Pflanzen, die als Futter dienen können und einige Pflanzen, die für Kaninchen nicht geniesbar sind.

Wilde Kaninchen kommen nicht überall vor. Sie benötigen bestimmte Vorraussetzungen, die ihnen ein Überleben ermöglichen. Auch Pflanzen kommen nicht überall vor und so bilden sich verschiedene Gemeinschaften. Das bedeutet auch, dass es Wiesen gibt, die weniger gut für Kaninchen geeignet sind als andere.


In Deutschland gibt es wenige Wiesen, die auf natürliche Weise entstanden sind. Durch abmähen und beweiden werden die Flächen am verwalden gehindert. Viele Wiesen werden intensiv genutzt und oft nachgesät. Verwendet werden für solche Nutzwiesen häufig Hochleistungsgräser, die einen hohen Ertrag bringen. Dabei handelt es sich um kultivierte Grassorten, die von ihrer Zusammensetzung nicht den ursprünglichen Gräsern entsprechen. Die wenigsten käuflich zu erwerbenden Heusorten stammen von ursprünglichen, artenreichen Wiesen, die meisten Sorten stammen von viel genutzten Wiesen.


Während sich Wiesen durch Mähen und Erzeugung von Heu/Silage auszeichnen, werden Weiden durch Tiere genutzt. Beides kann auch kombiniert werden.


Wiesen

Fettwiesen

Fettwiesen, Fettweiden oder auch Intensivgrünland sind aufgrund von Düngung und Bewässerung sehr nährstoffreiche Wiesen. Wegen des hohen Stickstoffgehalt im Boden kommen große Wuchshöhen der einzelnen Pflanzen zustande. Diese Wiesen können mehrfach im Jahr geschnitten werden. Je Intensiver diese Wiesen genutzt werden, desto geringer ist die Artenvielfalt. Häufig findet man lediglich 10-20 Arten. Dominierend sind in vielen Fällen gelbe und weiße Farben. Massenhaft treten in vielen Fällen Löwenzahn, Scharfem Hahnenfuß oder der Großen Bibernelle auf.

Selten sind artenreiche Fettwiese, auch Fromentalwiese genannt. Sie haben einen hohen Deckungsgrad an Nährstoffzeigern. Vom Aussehen und den ökologischen Faktoren ergibt sich ein heterogenes Bild. Die Pflanzen wachsen sehr dicht und hoch.


Feuchtwiesen

Feuchtwiesen sind halbnatürliche, gehölzfreie Biotope, die start vom Grundwasserspiegel beeinflusst werden oder zeitweise überschwemmt sind. Man findet sie in Flusstälern. Häufig vorkommende Pflanzen sind Gräsern, Binsen, Seggen und anderen krautigen Pflanzen. Feuchtwiesen müssen bewirtschaftet werden, um nicht zu verwalden. Je später gemäht wird, desto mehr Arten haben die Möglichkeit, sich anzusiedeln. Den größten Artenreichtum findet man auf nährstoffärmeren und ungedüngten Pfeifengraswiesen. So können auf wenig genutzten Feuchtwiesen auf 20 m² zwischen 40 und 60 höhere Pflanzenarten wachsen. Je früher und öfter im Jahr gemäht wird, desto weniger Arten finden sich, da viele diesem Stress nicht gewachsen sind. Stark gedüngt und häufig geschnitten vermehren sich viele Pflanzen nur noch vegetativ. Dadurch kommt es zu einer artenarmen Wiese mit selten mehr als 10 Pflanzenarten.


Trockenrasen

Diesen Typ von Grünland findet man in trockenen, nährstoffarmen Gebieten. Die Artenzusammensetzung des Trockenrasens ist geprägt von niedrigen Rasen-, Kraut- und Halbstrauchpflanzen. Die angesiedelten Pflanzenarten besitzen eine hohe Trockenheitsresistenz. Die Pflanzen sind allerdings nicht auf Trockenheit und nährstoffarmut angewiesen, werden an besseren Standorten aber oft verdrängt. In solchen Gebieten findet man viele gefährdeter Tier- und Pflanzenarten.



Weidetypen

Düngeweiden

Düngeweiden haben überhand genommen. Weit verbreitet ist eine Gesellschaft von Weidelgras und Weißklee. Durch gezielte Pflanzenzucht hat sich dieser Typ zunehmend etabliert. Neben Deutschen Weidelgras (Lolium perenne) und Weißklee (Trifolium repens) findet man auf solchen beiden häufig Acker-Kratzdistel (Crisium arvense), Ampfer, Brennessel (Urtica dioica), Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens) und Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris). Andere Arten je nach Nutzintensität.


Futterwiesen und Streuewiesen

Viele Wiesen wurden zur Nutzung für das Vieh angelegt.

  • Streuewiesen: Zur Gewinnung von Streu; nur einmal gemäht, nährstoffarm
  • Futterwiesen: Zur Gewinnung von Winterfutter; zweimal gemäht, nährstoffreicher

Es finden sich verschiedene Glatthaferwiesen, Glatthafer-Goldhaferwiesen, auf nährstoffreichen Böden Sumpfdotter- und Kohldistelwiesen sowie Pfeigelgras-Streuewiesen.


Hochstaudenfluren

Diese Weidetyp zeichnet sich durch großblättrige, weich- und dickblättrige Kräuter aus. Der Standort ist Wasser- und Nährstoffreich. Charakteristisch sind Pflanzen wie Mädesüß (Filipendula), Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre), Wasserminze (Mentha aquatica), Zaunwinde (Calystegia) und Wasserdost (Eupatorium).


Mager-/Trockenrasen und Halbtrockenrasen

Diese Typen sind stark gefährdet und besonders artenreich. Entscheidend ist, dass dieses Biotop nicht durch das Grundwasser beeinflusst wird.

Auf Halbtrockenrasen finden sich z.B. Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Trift-Hafer (Avena pratensis) und Silberdistel (Carlina acaulis). Auf Trockenrasen finden sich z.B. Sonnenröschen (Helianthemum), Berggamander (Teucrium montanum) und Küchenschelle (Pulsatilla).



Zeigerpflanzen

Aus dem Bewuchs eines Standortes ist es möglich, auf seine Beschaffenheit zu schließen. Einige Pflanzen zeigen Dünge- oder Nährstoffverhältnisse an. Dabei müssen Zeigerpflanzen immer im Kontext zu ihrer Umwelt betrachtet werden. Gepflegt im Garten sind andere Vorraussetzungen gegeben als in der Natur. Hier einige Beispiele für verschiedene Zeigerpflanzen


Allgemeine Nährstoff und Düngezeiger

  • Löwenzahn (Taraxacum officinale)
  • Scharfer Hahnenfuß (Ranuculus acer)
  • Brennessel (Urtica dioica)
  • Knäuelgras (Dactylis glomerata)


Stickstoffzeiger

  • Vogelmiere (Stellaria media)
  • Schafgarbe (Achillea spp.)
  • Kletten-Labkraut (Galium aparine)
  • Knäuelgras (Dactylis glomerata)


Düngefeindlich

  • Wundklee (Anthyllis spp.)
  • Vielblütige Hainsimse (Luzula multiflora)


Bodenverdichtungszeiger

  • Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens)
  • Breitwegerich (Plantago major)
  • Gänsefingerkraut (Potentilla anserina)


Säurezeiger

  • Blutwurz (Potentilla erecta)
  • Kleiner Sauerampfer (Rumex ecetosella)
  • Hasen-Klee (Trifolium arvense)




Quellen

Vanselow, Renate U.: Endophyten und Fruktane - Risiken für die Tiergesundheit, NBB kompakt Bd. 1, Hohenwarsleben, 2. überarb. Aufl. von 2008 · Westarp Wissenschaften, ISBN 9783894321123

Vanselow, Renate U.: Artenvielfalt auf der Pferdeweide: Grünland erkennen - Zeigerpflanzen deuten, Westarp Wissenschaften; Auflage: 1., Aufl. (März 2008); ISBN-13: 9783894321130

J. Pfadenhauer: Vegetationsökologie - ein Skriptum. IHW-Verlag, 1997. Seite 64-71. ISBN 978-3-930167-26-5, (alte ISBN 3-930167-26-3)

G. Jeckel: Syntaxonomische Gliederung, Verbreitung und Lebensbedingungen nordwestdeutscher Sandtrockenrasen (Sedo-Scleranthetea). In: Phytocoenologia. Band 12, Heft 1, 1984, S. 9–153.

Eggenberg et al., 2001: Kartierung und Bewertung der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung. Technischer Bericht. Schriftenreihe Umwelt Nr. 325. BUWAL, Bern.