Vermutlich wurde jeder schon mit diesem Problem konfrontiert. Man möchte das Beste für das eigene Tier, das Angebot sich zu informieren ist groß. Übers Internet hat jeder die Möglichkeit, sich mit anderen Kaninchenhaltern auszutauschen, es gibt zahlreiche verschiedene Portale, Foren und Seiten über Kaninchen. Auch gibt es verschiedene Bücher, Fachleute wie Tierärzte oder Tierheilpraktiker. Es gibt wissenschaftliche Studien sowie Züchter und Halter mit langjähriger Erfahrung. Der Interessierte sieht sich mit einer Vielzahl von Quellen konfrontiert und mit einer ebensogroßen Vielzahl an Meinungen.
Die Verwirrung ist groß, viele wissen gar nicht mehr, was falsch oder richtig ist. Wo informiert man sich am Besten, wem kann man vertrauen, wo fängt man an? Was gibt es zu beachten, wie bewertet man Quellen und was kann man daraus lernen?
Kapitel
Quellen für Informationen
- Grundsätzliches
- Erfahrungen - Eigene, Züchter, Tierschützer und Halter
- Internetseiten
- Foren
- Fachleute
- Bücher
- Wissenschaftliche Arbeiten
Wie fängt man an?
Fazit
In eigener Sache
Quellen für Informationen
Grundsätzliches
Wissen lässt sich in Theorie und praktische Erfahrungen teilen. Die meisten Informationsmöglichkeit basieren auf Beidem und beides ist wichtig und wertvoll. Ohne theoretisches Hintergrundwissen lassen sich Beobachtungen nur schwierig interpretieren und bewerten, ohne Erfahrung kann die Theorie in die Irre führen.
Es ist wichtig, dass stets nachvollzogen werden kann, woher Aussagen kommen. Wer unter welchen Umständen welche praktische Erfahrung gemacht hat, woher welche theoretische Erkenntnis kam und worauf sie basiert.
Es gibt viele unterschiedliche Meinungen und Ziele in der Kaninchenhaltung. Es gibt Halter, die ihre Tiere als Heimtiere halten, andere Nutzen die Kaninchen zur Fleisch- Woll- oder Fellgewinnung. Es gibt Tierschützer, Züchter oder Halter, die ihre Tiere ohne Tierschutzgedanken einfach als Gesellschaft halten. Es gibt Menschen die beruflich mit diesen Tieren zu tun haben, auch ohne diese selbst zu halten. Auch Kaninchenhalter lassen sich nicht unbedingt klar in Kategorien aufteilen. Nicht jeder Züchter oder jeder, der sich als Tierschützer bezeichnet handelt im Sinne der Tiere. Nicht jeder Tierarzt kennt sich wirklich mit Kaninchen aus, genauso wenig muss jemand, der diese Tiere seit Jahren hält wirklich Ahnung haben. Jeder kann wertvolle Informationen haben, aber von niemand sollten unreflektiert Aussagen übernommen werden.
Erfahrungen - Eigene, Züchter, Tierschützer und Halter
Erfahrungen anderer Kaninchenhalter und Interessierter sind äußert hilfreich. Sie können neue Ideen bringen und helfen, die eignen Tiere zu verstehen, Haltung und Ernährung optimieren und bei Krankheiten richtig zu reagieren. Doch sie können auch zum Problem werden, wenn falsch damit umgegangen wird.
Es ist unbedingt notwenig, eine Erfahrung in Beobachtung, Interpretation und Bewertung zu trennen und einzuteilen. Beobachtung ist die Wahrnehmung von Objekten oder Vorgängen, sie sollte objektiv, also unvoreingenommen erfolgen. Eine Interpretation erfolgt wenn eine Wahrnehmungen auslegt, gedeutet oder beurteilt wird. Die Bewertung ist ähnlich der Interpretation eine Beurteilung oder Schlussfolgerung aus einer Beobachtung. Es wird aber nicht nur gedeutet oder beurteilt, sondern gewertet.
Beispiel:
- ... das Kaninchen hat Kohl gefressen und hat nun Durchfall ist eine Beobachtung
- ... Kohl verursacht Durchfall ist eine Interpretation
- ... Kohl ist ungeeignet für Kaninchen ist eine Bewertung
Das Beispiel zeigt sehr deutlich, wie wichtig es ist, zwischen Beobachtung, Interpretation und Bewertung zu unterscheiden und dass es nötig ist, Ursachen für Symptome zu erörtern, zu verstehen und nicht zu verallgemeinern. Im obigen Beispiel könnte der Durchfall auch durch andere aufgenommene Futtermittel, eine Infektion, eine individuelle Unverträglichkeit oder mangels Gewöhnung ausgelöst worden sein. Hat aber nun ein Halter eine solche Erfahrung gemacht und gibt nur seine Bewertung an andere Halter/Interessierte weiter, kann dies zu eben jenen Mythen führen, mit denen viele Kaninchenhalter immer wieder konfrontiert werden.
Bei Erfahrungen ist es äußert wichtig, dass diese entsprechend der Einteilung nachvollziehbar gehalten werden. Was ist die Beobachtung, die Interpretation und Bewertung? Wer hat sie unter welchen Umständen gemacht? Oft werden Erfahrungen weitergegeben und bei einige Aussagen wie Beispielsweise "Kohl ist ungeeignet für Kaninchen" lassen sich gar nicht mehr zurückverfolgen und nachvollziehen, wie es zu einer solchen Aussage kommt.
Erfahrungen können hilfreich sein, können versehentlich ihre Nachvollziehbarkeit verlieren, aber auch gezielt missbraucht werden, um andere von der eigenen Meinung zu überzeugen. Es sollte daher im Auge behalten werden, wer welche Erfahrungen gemacht hat und weitergibt. Erfahrungen anderer sollte immer entsprechend kritisch gehandhabt werden.
Sowohl eigene Erfahrungen als auch die anderer Halter/Beobachter sind ein hilfreicher Wissensschatz. Für den Halter ist es zu empfehlen, sich eigene Beobachtungen zu notieren und dabei auf oben genannte Einteilung wert zu legen. Gleiches gilt für Erfahrungen anderer Halter. Sich zu notieren, wer was wo erwähnt hat kann später hilfreich sein. Fehlt eine Einteilung muss die Erfahrung nicht wertlos sein, aber entsprechend vorsichtig sollte damit umgegangen werden. Ursachenforschung ist sinnvoll und nötig.
Internetseiten
Zum Thema Kaninchen gibt es inzwischen zahlreiche verschiedene Internetseiten. Selbst zu speziellen Themen wie Haltung, Ernährung oder bestimmten Gesundheitsthemen finden sich viele Seiten. Sie werden von Haltern, Züchtern, Tierschützern, Tierärzten oder Interessierten erstellt. Es finden sich dort eigene Erfahrungen, Erfahrungen anderer Halter, Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten ebenso wie zahlreiche Mythen, die aus unreflektiert übernommenen Aussagen übernommen werden.
Es sollte darauf geachtet werden, ob und wie Quellen angegeben werden. Im Zweifelsfall sollte der Autor der Seite kontaktiert werden. Auch die Ziele der Seite bzw. des Erstellers der Seite und wen die Seite ansprechen soll sollte bei der Bewertung der Aussagen mit einbezogen werden.
Als Beispiel zwei sehr empfehlenswerte Internetseiten zum Thema Kaninchen. Die Seite von Andreas Rühle "Kaninchen würden Wiese kaufen", welche sich an engagierte Halter richtet, gut nachvollziehbar mit Quellen untermautert wird, aber eher anspruchsvoll ist und die Seite diebrain.de von Christine Wilde, welche gute, verständliche Grundlagen für ein breites Spektrum an Haltern bzw. potentiellen Haltern liefert.
Foren
Zahlreiche verschiedene Foren beschäftigen sich mit Kaninchen. Ob Tierschutzforen, Züchter, reine Liebhaber oder bunt gemischte, es mangelt nicht an Angeboten. Viele Kaninchenhalter tauschen dort Erfahrungen und Meinungen aus. Auch in Foren ist Vorsicht geboten. Viele Mythen kursieren dort, viele Halter geben unreflektiert weiter, was sie anderswo gelesen haben.
Diskussionen können sehr hilfreich sein, da verschiedene Pro- und Kontra aufgeführt werden. Doch oft konzentrieren sich Halter mit bestimmten Meinungen in einzelnen Foren, so dass Argumente überzeugender wirken können, als sie eigentlich sind. Zusätzlich können einige überzeugender schreiben als andere, was aber ihre Argumente nicht unbedingt wertvoller macht.
Zudem bieten gerade Foren vielen Menschen eine Möglichkeit, sich Anerkennung zu finden. Solche Leute sind häufig nicht offen für andere Meinungen. Leider kommt es dadurch nicht selten dazu, dass Meinungen entsprechend vertreten werden, was nicht selten auf Kosten anderer Halter und vor allem deren Tiere geht.
Fachleute
Tierärzte, Zoohändler ohne ähnliche Fachleute, die beruflich mit Tieren zu tun haben werden oft als Informationsquelle genutzt. Häufig wird aber auch die Ansicht vertreten, dass Informationen aus solchen Quellen wertlos sind. Die Aussagen solcher Fachleute beruhen auf Literatur, "Hörensagen" ebenso wie teilweise langjährigen eigenen Erfahrungen. Die Literatur und Erfahrungen können sehr einschlägig sein.
Beispielsweise haben die wenigstens Tierärzte die Zeit und Möglichkeit, sich generell intensiv mit allen spezifischen Themen wie Ernährung und Haltung jeder Tierart, Giftigkeit von Efeu und Problematik von Getreide bei Kaninchen auseinanderzusetzen. Oft fehlen praktische Erfahrungen, die nicht-medizinische Aspekte betreffen. Viele Tierärzte verlassen sich daher auf Angaben in der Literatur, Erfahrungen der Halter ihrer Patienten, sowie eigene Erfahrungen und geben diese weiter.
Entsprechend sind solche Aussagen auch zu bewerten. Sie können sehr wertvolle Informationen enthalten, sollten aber nicht generell unkritisch übernommen, aber auch nicht verteufelt werden.
Bücher
Neben Internetseiten, Foren und mündlichen Überlieferungen gibt es auch zahlreiche Bücher über Kaninchen. Diese sind ebenso unterschiedlich wie Internetseiten, können ebenso Erfahrungen, Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten oder überlieferte Mythen enthalten. Wie bei Internetseiten sollte auf die Motivation des Autor, die Zielgruppe und Nachvollziehbarkeit geachtet werden.
So orientiert sich das Buch "Das große Buch vom Kaninchen" von Wolfgang Schlolaut vornehmlich an der Haltung des Kaninchens als Nutztiere, dennoch können auch reine Liebhaberhalter daraus wichtig Informationen gewinnen. "Das Wildkaninchen" von Alfred Boback thematisiert hingegen vor allem das Wildkaninchen, liefert dadurch aber wichtiges Hintergrundwissen zum Thema Kaninchen.
Wissenschaftliche Arbeiten
Viele Menschen sind extrem auf wissenschaftliche Beweise fixiert. Studien und Dissertationen werden häufig herangezogen, um die eigene Meinung zu untermauern. Doch auch die Wissenschaft birgt Problematiken, deren sich jeder Interessierte bewusst sein sollte.
Unterschieden wird zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung. Während die Grundlagenforschung der Erweiterung wissenschaftlicher Erkenntnis dient, steht bei der angewandten Forschung das Forschungsergebnis und die praktische Anwendung im Vordergrund. Viele wissenschaftliche Studien finden im Auftrag und mit der Finanzierung von Firmen oder großen Konzernen statt. Nicht immer ist es das Ziel einer solchen Studie, tatsächlich herauszufinden, ob eine Annahme so korrekt ist, sondern es soll mit allen Mitteln bewiesen oder widerlegt werden. So sind bestimmte Studien an bestimmten Interessen orientiert und bestimmten die Vorgehensweise einer Untersuchung.
Feynman definierte hierzu den Begriff "Cargo Cult Sience" und beschreibt die Riten folgendermaßen:
„Auf den Samoainseln haben die Einheimischen nicht begriffen, was es mit den Flugzeugen auf sich hat, die während des Krieges landeten und ihnen alle möglichen herrlichen Dinge brachten. Und jetzt huldigen sie einem Flugzeugkult. Sie legen künstliche Landebahnen an, neben denen sie Feuer entzünden, um die Signallichter nachzuahmen. Und in einer Holzhütte hockt so ein armer Eingeborener mit hölzernen Kopfhörern, aus denen Bambusstäbe ragen, die Antennen darstellen sollen, und dreht den Kopf hin und her. Auch Radartürme aus Holz haben sie und alles mögliche andere und hoffen, so die Flugzeuge anzulocken, die ihnen die schönen Dinge bringen. Sie machen alles richtig. Der Form nach einwandfrei. Alles sieht genau so aus wie damals. Aber es haut nicht hin. Nicht ein Flugzeug landet.“
Richard Feynman: Cargo Cult Science. Eröffnungsrede des California Institute of Technology zum Semesterbeginn 1974
Er wies darauf hin, dass es im Bereich der Wissenschaft wichtig sei, darauf zu achten, sich nicht selbst zu täuschen. Jeder Wissenschaftler sollte bereit sein, seine eigenen Theorien und Resultate in Frage zu stellen.
Wissenschaftliche Arbeiten können sehr aufschlussreich und hilfreich sein. Es ist aber auch wichtig zu beachten, dass auch Wissenschaft kritisch hinterfragt werden muss. Es ist sinnvoll, Studien im Ganzen zu betrachten, sich mit Methodik und Fragestellung zu befassen und sich über die Schlussfolgerung Gedanken zu machen.